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Bilderstarkes "Liliom" im Bochumer Schauspielhaus

Theater: Christina Paulhofer

Die Bühne des Bochumer Schauspielhauses wird bei „Liliom“ zum Autoscooter. Regisseurin Christina Paulhofer meldet sich dort nach einer längeren Theater-Auszeit mit einer Inszenierung zurück, in der die Figuren-Psychologie hinter starken Bilder und artistischen Momenten zurückbleibt.

BOCHUM

von Von Max-Florian Kühlem

, 07.04.2013
Bilderstarkes "Liliom" im Bochumer Schauspielhaus

Titelfigur Liliom (Florian Lange) und Julie (Kristina-Maria Peters) auf dem Rummelplatz.

Ohne ohrenbetäubende Partymusik und blinkende Lichter sind die Figuren aus „Liliom“, dem bekanntesten Stück des Ungarn Ferenc Molnár, nichts. Bewegungslos, zu Schatten erstarrt, stehen sie zum Stückbeginn an der Bühnenhinterwand und erst als die Technik des Autoscooters hochfährt, füllen sich auch ihre Körper mit Leben. Sie toben über die Bühne, springen Saltos, posieren, schreien und liefern sich eine actionfilmreife Schlägerei.

Christina Paulhofer, deren erfolgreiche Regiekarriere unter Leander Haußmann in Bochum begann, greift auf die Tänzer und Artisten des Kulturhauptstadt-Projekts Urbanatix zurück, um Molnárs Kirmesgesellschaft lebendig zu machen. Aus ihrem Gewusel schält sich die Geschichte von Liliom heraus, eines besonders vorlauten Raufbolds und Angebers, eines mitreisenden Fahrgeschäftsbetreibers, der gern Frauen aufreißt und wieder fallen lässt.

Nur Julie, die kann er nicht fallen lassen. Warum, das versteht der Zuschauer dieser Inszenierung, weil Kristina Peters sie hinreißend spielt: Als zartes, aber furchtloses Wesen, dessen einziges Unglück es ist, sein großes Herz an den Flaschen zu verlieren. Denn statt mit ihr ein bodenständiges Leben als Hausmeisterpärchen zu führen, vergeudet der Liliom seins lieber mit einem stümperhaften Raubzug.Florian Lange wirft sich zwar mit aller Macht hinein in die Rolle dieses Raufbolds, wie ein Tier wütet er über die Bühne. Doch bleibt seine Figur so auch eindimensional – ihr einziger Antrieb scheint die Triebbefriedigung zu sein. Völlig zur grotesken Fratze verkommt der reiche Linzmann (Daniel Stock), das Paar Wolf (Matthias Eberle) und Marie (Maja Beckmann) wird zum Abziehbild braver Bürgerlichkeit.

Trotzdem ist die Inszenierung unbedingt sehenswert. Allein, um Lilioms Aufstieg in den Himmel und seine Rückkehr auf die Erde zu sehen, wozu Christina Paulhofer den riesigen Bühnenapparat des Bochumer Schauspielhauses virtuos bedient.

Termine
13./21./24.4.; Karten: Tel. (0234) 33 33 55 55

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