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Broadway trifft Buffo

DORTMUND Es ist ein Abend, der Tanzgeschichte schreibt. Ein Abend mit Choreografien zweier Ballett-Legenden, die ihre Arbeiten nur den allerbesten Compagnien anvertrauen. Balanchine und Bigonzetti und "Stars and steps" war am Samstag im Dortmunder Opernhaus ein Gipfeltreffen der Tanzkunst.

von Von Julia Gaß

, 24.02.2008

Mit George Balanchine und Mauro Bigonzetti treffen der Russe und der Römer aufeinander, der Neoklassiker und der Modernist, Broadway und Buffo.

Balanchines "Who cares?" nach Musik von Gershwin ist 38 Jahre alt und darf nur in seiner originalen Choreografie für das New York City Ballet auf die Bühne gebracht werden. Nanette Glushak, Primaballerina der Uraufführung, hat es mit der Dortmunder Compagnie einstudiert.

Höchstschwierigkeiten fordert das Nummern-Ballett von allen Tänzerinnen und Tänzern. Es ist ein Ausflug an den Broadway - in bonbonfarbenen rosa Kostümen (Dorin Gal), mit Show-Tanz-Pas-de-deuxs, hohen Sprüngen, originellen Hebefiguren, rasant schnellen Schritten. Das alles bringt das Dortmunder Ballett mit bewundernswerter Leichtigkeit, Geschmeidigkeit und Präzision auf die Bühne, in der fast nichts vom Tanz ablenkt: frech, beswingt, verführerisch, grandios. Das Paar, das die hohe (Tanz-)kunst der Verführung in vollendeter Harmonie zeigt, sind Primaballerina Monica Fotescu-Uta und Solotänzer Mark Radjapov. Roberta Borges Viera ein "Jumping girl" mit Flummi-Qualitäten, und Sventlana Tolstopiatova als "Tuning girl" ein Drehwunder. Geschmeidig wie ein Posaunen-Glissando tanzt das Corps de Ballet die Revue-Tänze, die viel Broadway-Musical-Handschrift haben. Und mit einer Präzision in den kleinen Schritten wie eine Schlagzeugmaschine.

Weltstar-Qualitäten

Die humorvollen Choreografien des Geschichtenerzählers Mauro Bigonzetti (Einstudierung: Eveva Berti) für sein "Afterballetto" waren bei Ballett-Galas in Dortmund immer Höhepunkte. Seine "Rossini Cards" stammen aus 2004 und sind so vergnüglich und voll gepackt mit Überraschungen und einprägsamen Bildern wie Rossinis Musik, die Alexandra Goloubitskaia zum Teil live am Klavier höchst einfühlsam begleitet.

Eine dieser vergnüglichsten, Szenen ist zu Beginn die am Banketttisch: ein Ballett der Arme; den Orchestergraben macht Bigonzetti zur Fallgrube, in die die Tänzer stürzen. Dazwischen gibt es Buffo-Szenen des Ensembles und in einem Pas-de-trois, die vortrefflich zu Rossinis gewitzter Musik passen.

Modernen Ausdruckstanz und neoklassizistische Tanzelemente lassen Bigonzetti und Xin Peng Wangs vorzügliche Compagnie ineinander fließen. Ein besonders intimer Moment der stilistisch so vielfältigen Choreografie ist der dichte, ästhetische Pas-de-deux von Alicia Beck und Mark Radjapov mit sehr langsamen Bewegungen fast nackter Körper. - Nicht enden wollende Ovationen für ein Ballett, das mit diesen Doppel-Steps Weltstar-Qualität hat. 

 Termine: 29.2., 5. und 29.3. Karten: Tel. (02 31) 5 02 72 22.