Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

Kino: „A Beautiful Day“

Brutaler Rächer mordet mit Hammer

Dortmund In „A Beautiful Day“ rettet ein Mann junge Mädchen vor Kinderschändern und wird dabei selbst gewalttätig. Ein Thriller ohne Actionklischees, dafür mit Tiefe und Stil, lobt unser Kinokritiker.

Brutaler Rächer mordet mit Hammer

Joe (Joaquin Phoenix) hat soeben die junge Nina (Ekaterina Samsonov) befreit. Foto: Constantin Film

Wer genau ihn anheuert und bezahlt, wird nicht recht klar. Tatsache ist aber, dass Joe (Joaquin Phoenix) in Etablissements für Kinderschänder kurzen Prozess macht und dafür ein Honorar bekommt.

Sein liebstes Werkzeug ist ein Hammer aus dem Baumarkt, damit teilt er Schläge gegen Freier und Bordellbewacher aus, befreit junge Mädchen und geht seiner Wege.

Originelle Bildsprache statt Hollywood von der Stange

Weil „A Beautiful Day“ kein Hollywood-Thriller von der Stange, sondern ein Film der Schottin Lynne Ramsay ist, weidet er sich nicht an der Brutalität der Hammermorde, nicht an der Zurschaustellung von Perversionen, er meidet überhaupt alle Klischees des Actionkinos und die Bebilderung des Banalen und Offensichtlichen. Dafür wartet Lynne Ramsay mit origineller Bildsprache und inszenatorischen Raffinessen auf, die dem Film Charakter, Handschrift und Stil geben.

Wenn der von Joaquin Phoenix verkörperte Rächer unterwegs ist in der Stadt, filmt Kameramann Tom Townend keine Ansichten von Straßen und Gebäuden. Sein Blick gilt „Unorten“, Hinterhöfen, den Schienen der S-Bahn, den Details und Fragmenten einer Stadt, die bei Lynne Ramsay mehr zu einer gefühlten denn realen Stadt wird.

Einblicke in die Seele eines Mörders

Ramsay wählt gewissermaßen den poetischen Zugriff auf den Roman von Jonathan Ames, sie blickt nach innen, lässt Erinnerungen vor Joes geistigem Auge mit dem gleichen Recht sprechen wie die äußere Welt. Dieser, wenn man so will: Impressionismus wird zur zweiten Säule und Spannungsquelle des Films, weil Ramsay uns nach und nach Einblicke in die Seele des Mannes mit dem Hammer gewährt und seine Motivation enthüllt, wenigstens ansatzweise: Auch er ist ein Opfer, mehr müssen wir nicht wissen.

Der Plot hätte auch das Zeug zum klassischen Reißer mit Bruce Willis: Joe rettet die Tochter eines Senators. Er wird überfallen, kurz danach sind alle tot, die er kennt und liebt. Die Fährte führt in die Politik. Ein intensiver Thriller abseits des Gewohnten, stark gespielt und mit Tiefgang.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Die georgische Novelle „Ich fahre nach Madrid“ versucht, die Seele eines Mannes zu ergründen, der aus seinem Alltag zu einem Freund in dessen Krankenhaus flieht, um über pure Freiheit zu fantasieren. Und niemandem sagt er, wo er ist.mehr...

Geschichte kann spannend sein, wenn man sie gut erzählt. Und das kann Catherine Aurel – wie sie mit „Grimaldi. Der Fluch des Felsens“ belegt.mehr...

Dortmund Es ist die Kinosaison des Franz Rogowski: Bei „In den Gängen“ füllt er als Großmarktangestellter Christian in der Getränkeabteilung die Regale auf, räumt Paletten weg, lernt den Gabelstapler zu bedienen. Kollege Bruno wird sein Mentor und väterlicher Freund. Der Christian gut zuredet, als er merkt, dass der Neue unglücklich verliebt ist. Wunderbar, meint unser Kinokritiker.mehr...

Essen Jean-Yves Thibaudet bringt beim Klavierfestival Ruhr mit den Bochumer Symphonikern Debussys „Fantaisie“ zur Aufführung. Ein fast gelungener Abend.mehr...

Der 2017 gestorbene hochdekorierte amerikanische Schriftsteller Denis Johnson hat der literarischen Welt einen Band mit fünf Erzählungen hinterlassen: „Die Großzügigkeit der Meerjungfrau“. In allen Geschichten stehen Menschen im Vordergrund, die gerade eine Krise zu bewältigen haben oder am Ende ihres Lebens stehen. mehr...

Hannes Ley hatte es satt: Der Kommunikationsberater ertrug es Ende 2016 nicht mehr, Hasstiraden und ein völlig verrohtes Diskussionsklima in den sozialen Netzwerken einfach hinzunehmen. mehr...