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Das Ruhrgebiet von der Antike bis 2010

BOCHUM „Komm in den Kohlenpott, hier boomt es, hier wird Geld verdient“, stand in dem Brief, den Emil Dießenbacher von seinem Schwager aus Berlin bekam. Das war in den 20er Jahren. Er folgte dem Rat und eröffnete im heutiger Herne Wanne einen Frisörladen – und erlebte dort viele wirtschaftliche Höhen und Tiefen.

von Von Nadja Schöler

, 26.02.2008
Das Ruhrgebiet von der Antike bis 2010

Harald Gatermann (v.l.), Mark Tewissen und Claus und Frank Dießenbacher beraten sich zur "Zeitreise Ruhr".

Die Nachkommen von Emil Dießenbacher sind noch heute im Ruhrgebiet. Seine Geschichte ist deshalb Teil einer virtuellen Zeitreise durch das Ruhrgebiet. Vor eineinhalb Jahren begannen Harald Gatermann, Mark Tewissen und Claus und Frank Dießenbacher an der Ruhr-Universität mit dem Projekt "Zeitreise Ruhr". Es ist die leidenschaftliche Umsetzung der Idee, Gebäude und Städte dreidimensional darzustellen, die sie schon seit einem guten Jahrzehnt beschäftigt.

Dreidimensionale Darstellungen im Internet gibt?s zwar schon - bei "Google Earth" zum Beispiel, oder digitale Rekonstruktionen des Reviers wie beim Projekt "Ruhr3.de" des Regionalverbandes Ruhr (wir berichteten). Aber hier sind Gebäude nicht nur Objekte, sie erzählen selbst eine Geschichte.

Die Forschergruppe aus Historikern, Medienexperten und Architekten wollten ihre Darstellungsform um eine weitere Komponente ergänzen: die zeitliche Entwicklung. So wird der Blick auf ein Gebäude zu mehr als nur einer virtuellen Besichtigung die versucht, der Realität möglichst nahe zu kommen.

Chronik der Zechen

Das Ruhrgebiet hat auch eine Geschichte, die weit vor Fördertürmen und Industrie-Schornsteinen liegt. Wo waren im Mittelalter die Gebietsgrenzen, welche Verkehrswege wurden für die frühe Produktion genutzt und wer siedelte sich wo an? Die Navigation über eine Zeitleiste bietet eine Masse an Informationen. Vieles funktioniert ohne Text anhand von Grafiken. Im Zeitraffer sieht der Internetnutzer Chroniken der Zechen, die zum Schluss abgerissen oder zu Kulturstätten geworden sind.

"Der Schwerpunkt liegt nicht nur auf der Darstellung eines Gebäudes. Uns interessiert, warum es gebaut wurde", so Gatermann. Diese Darstellung eines Gebäudes ist aufwändig und kostspielig. Historiker und Architekten müssen lange recherchieren. Studenten übernehmen gegen Bezahlung die Recherche für einzelne Gebäude und positionieren sie auf der Karte von "Google Earth".

Für das Kulturhauptstadtjahr 2010 will auch die Stadt Bochum das Projekt nutzen. "Wir sollen die Jahrhunderthalle dreidimensional darstellen und Industriekomplexe rekonstruieren", so der Professor.