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Die Gentleman-Gang

BERLIN Einen solchen Auftakt hat die Berlinale noch nie erlebt, in mehrfacher Hinsicht. Noch nie hat eine Dokumentation die Filmfestspiele eröffnet, noch nie kamen zu Beginn Stars von solchem Format in die Hauptstadt. Martin Scorsese stellt gemeinsam mit den Rolling Stones seinen Konzertfilm "Shine a Light" vor - eine kleine Sensation.

von Von Patrick Wildermann

, 07.02.2008
Die Gentleman-Gang

 

Schon eine Stunde vor Beginn der Pressekonferenz mit Mick Jagger, Keith Richards, Ronnie Wood und Charlie Watts mussten die Türen geschlossen worden, der Raum wäre sonst aus den Nähten geplatzt. Unter den Journalisten aus aller Welt sind Fans der ersten Stunde ebenso wie "Rentnerband"-Spötter. Aber sehen wollen doch alle die Stones. Und es ist tatsächlich ein elektrisierender Moment, als Martin Scorsese (Foto) mit den vier Jungs das Podium betritt. Mick Jagger bedankt sich erstmal artig bei Berlinale-Chef Dieter Kosslick für die Einladung, ein Gentleman, wirklich.

"Shine a Light", von der Presse sehr gut aufgenommen, ist aus zwei Konzerten der Band im New Yorker Beacon Theatre anno 2006 montiert. Anlass war eine Wohltätigkeitsveranstaltung von Bill Clinton, und es ist ziemlich amüsant zu sehen, wie da die ehemals bösen Buben brav auf Hillary Clintons Mutter warten, um sie standesgemäß zu begrüßen.

Ein Objekt der Begierde

Was will man auch erwarten, nach all den Jahrzehnten Rock'n'Roll? Die Stones sind ein Unternehmen, mit der ausgestreckten Zunge als Markenzeichen. Aber ungebrochene Energie verströmen sie auch als 60-Jährige, und Scorseses Film fängt das ein. "Mein obskures Objekt der Begierde" nennt der Regisseur die Gruppe auf der Pressekonferenz. Fast in jedem seiner Werke seit "Mean Streets", auch schon über 30 Jahre alt, kommt ihre Musik vor. Mick Jagger scherzt, "Shine a Light" sei vermutlich der erste Scorsese-Film, in dem nicht "Gimme Shelter" zu hören sei.

Die große Show hat begonnen

Zu Beginn des Films sieht man einen Scorsese am Rande des Nervenzusammenbruchs. Er muss 16 Kameras dirigieren - an "Shine a Light" haben so ziemlich alle Kameramänner mitgewirkt, die in Hollywood einen Namen besitzen - weiß aber nicht, welchen Song die Band als erstes spielen wird. Es ist dann "Jumpin' Jack Flash", eine trocken-pulsierende Eröffnung. Ob die Kameras die Band irritiert hätten, will ein Journalist wissen. "Nein", sagt Keith Richards, einen verwegenen Hut auf dem Kopf, "du gehst einfach raus und spielst die Show". Dazu schnippt er mit dem Finger, ein unnachahmlich lässiger Rock'n'Roll-Moment. Die große Show, die Berlinale genannt wird, hat begonnen.