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Die Science-Fiction Romane „Die drei Sonnen“ und „Der dunkle Wald“ im Realitäts-Check

Fragen und Antworten

Die Science-Fiction-Romane „Die drei Sonnen“ und „Der dunkle Wald“ warnen davor, Außerirdische auf uns aufmerksam zu machen. Ist das wirklich ein Problem der Menschheit? Wir haben den Realitäts-Check gemacht.

Bochum

, 28.03.2018
Die Science-Fiction Romane „Die drei Sonnen“ und „Der dunkle Wald“ im Realitäts-Check

Das Sonnensystem Alpha Centauri: Der 2016 entdeckte Planet Proxima b (vorne) kreist auf einer stabilen Bahn um den roten Zwerg Proxima (l.). Die Doppelsterne Alpha Centauri AB (das sind die weißen Pünktchen dazwischen) sind weit genug entfernt. Zeichnung dpa/ESA/M. Kornmesser

Barack Obama empfiehlt die Roman-Trilogie des chinesischen Autors Cixin Liu. Mark Zuckerberg von Facebook auch. Der deutsche Literaturkritiker Denis Scheck ist ebenfalls ein Fan. Der erste Band „Die drei Sonnen“ war Ende 2016 in Deutschland erschienen. Vor ein paar Tagen kam nun der zweite Band „Der dunkle Wald“ in deutscher Sprache heraus.

Die Science-Fiction-Bücher erzählen, wie sehr die Wesen auf dem Planeten Trisolaris leiden, weil sie unter drei Sonnen leben müssen. Als sie von der Erde erfahren, machen sie sich sofort auf die Reise. Nur Pech, dass sie uns Menschen vernichten wollen. Sind das wirklich nur superspannende Romane? Oder diskutieren sie wichtige Probleme der Menschheit? Hier einige Fragen und Antworten zum Thema.

Die Science-Fiction Romane „Die drei Sonnen“ und „Der dunkle Wald“ im Realitäts-Check

Der Autor Cixin Liu hat die Trisolaris-Trilogie geschrieben.Foto:Li Yibo/Heyne

Sollten wir Außerirdische auf uns aufmerksam machen? Oder kann das schiefgehen?

„Stephen Hawking hat in seinen letzten Lebensjahren davor gewarnt“, sagt Susanne Hüttemeister, Leiterin des Planetariums Bochum und Professorin für Astronomie. Seit etwa drei Jahren streitet die Wissenschaft erbittert über diese Frage. Die „Zeit“ hat kürzlich berichtet, wie intensiv die Chinesen nach Leben im All suchen. Sie haben es auf den großen technologischen Sprung abgesehen, den ein erster Kontakt bedeuten könnte. Dafür haben sie in der Provinz Guizhou das größte Radioteleskop der Welt gebaut. Nach einem Bericht der US-Zeitschrift „The Atlantic“ hat die chinesische Akademie der Wissenschaft dem Autor Cixin Liu das Teleskop bereits gezeigt. In den USA fließt dagegen kaum Geld in die Seti-Forschung („Search for Extraterrestrial Intelligence“). Tatsache ist allerdings, so Hüttemeister, dass wir längst ungewollt auf uns aufmerksam machen: „Unsere Radio-, Fernseh- oder Radarsignale – es gibt jede Menge Abstrahlung ins All.“ Die starken Radiosignale vom Anfang des 20. Jahrhunderts sind inzwischen rund 100 Lichtjahre weit gekommen. Durch den Fortschritt werden wir im Radiobereich allerdings künftig „weniger hell“ – das heißt, wir sind dann weniger gut wahrzunehmen.

Die Science-Fiction Romane „Die drei Sonnen“ und „Der dunkle Wald“ im Realitäts-Check

Susanne Hüttemeister ist Leiterin des Zeiss Planetarium Bochum und Professorin für Astronomie. FotoLeitmann/Stadt Bochum

Aber haben wir nicht auch Sonden ins All geschickt?

Über die Plaketten an den Raumsonden Pioneer 10 und 11 oder die Schallplatten aus Kupfer (Foto des Covers unten: Nasa) an den Voyager-Sonden 1 und 2 muss Hüttemeister schmunzeln. „Diese Sonden haben kein bestimmtes Ziel“, sagt sie. Es wäre schon ein sehr großer Zufall, wenn sie auf Leben treffen würden.

Wäre es überhaupt möglich, auf einem Planeten mit drei Sonnen zu leben?

Das Drei-Körper-Problem ist ein theoretisches Problem der Himmelsmechanik, das der Autor geschickt genutzt hat. Ein Planet, an dem drei Sonnen ziehen und zerren würden, wäre extrem instabil. Seine Bahn wäre im wahrsten Sinn des Wortes unberechenbar. „Ich halte es für total unwahrscheinlich, das sich ein solcher Planet überhaupt bilden würde“, sagt Susanne Hüttemeister. Etwas anderes sind Doppelsternsysteme. Planeten können auch in der Realität zwei Sonnen auf einer stabilen Bahn umkreisen, wenn der Abstand zu den beiden Sonnen fünf mal größer ist als der zwischen den Sonnen. Ein Beispiel ist der Wüstenplanet „Tatooine“ in der Kino-Reihe „Star Wars“. Da haben die Filmemacher tatsächlich sauber gearbeitet.

Im Buch „Die drei Sonnen“ kommen die Außerirdischen aus dem Sonnensystem Alpha Centauri. Ist das realistisch?

Tatsächlich ist dort 2016 ein erdähnlicher Planet entdeckt worden. „Proxima Centauri b“ umkreist den roten Zwerg „Proxima Centauri“. Rote Zwerge sind die kleinsten und häufigsten Sterne. Der Planet ist gerade so weit davon entfernt, dass Wasser dort flüssig wäre. Aber wir wissen nicht, ob der Planet eine Atmosphäre und wenn ja, ob diese Sauerstoff enthält. „Vielleicht finden wir mit der nächsten Teleskop-Generation etwas mehr heraus“, hofft Susanne Hüttemeister. Das System Alpha Centauri hat zwei Sonnen und einen roten Zwerg – ähnlich wie im Buch. Aber Proxima b ist weit genug von den beiden Sonnen entfernt und kreist auf einer stabilen Bahn um den Zwerg – also ganz anders als im Buch.

Die Science-Fiction Romane „Die drei Sonnen“ und „Der dunkle Wald“ im Realitäts-Check

So könnte es auf Proxima b aussehen - aber genau weiß das niemand. Zeichnung: dpa

Im Roman schicken die außerirdischen Invasoren so genannte „Sophone“. Während sie selbst mit ihren Raumschiffen 400 Jahre benötigen, fliegen diese winzigen Teile viel schneller zur Erde und spionieren uns aus.

„Eine echt nette mathematische Spekulation“, so Hüttemeister. Sie beruht auf der „Superstring-Theorie“, die nicht einmal ansatzweise bewiesen ist. Danach besteht unsere Welt aus „Strings“ – Teilchen, die zehn oder mehr Dimensionen haben. Die fiesen Trisolarier im Buch nutzen diese Dimensionen, um viele Informationen auf intelligenten Protonen (das ist ein Teil eines Atoms) zur Erde zu schießen und die Wissenschaftler zu verwirren. „Eigentlich Quatsch“, lacht Hüttemeister, die die Bücher trotzdem sehr schätzt: „Das ist eine Super-Mischung aus Fakten und Fiktion.“

Der vielfach preisgekrönte Autor und Ingenieur Cixin Liu wurde 1963 geboren und hat lange in einem Kraftwerk gearbeitet. In China wird der Nachname vorangestellt, deshalb heißt er eigentlich Liu Cixin. Auf Deutsch erscheint die Trisolaris-Trilogie im Heyne-Verlag: 1. „Die drei Sonnen“ (592 S., 1, ISBN 978-3-453-31716, 14,99 Euro) und 2. „Der dunkle Wald“ (816 S., ISBN 978-3-453-31765-9, 16,99 Euro). Der 3. und letzte Teil „Jenseits der Zeit“ wird auf Deutsch im April 2019 herauskommen, er ist aber schon unter dem Titel „Death´s End“ in englischer Sprache verfügbar. 2018 sollen die „Drei Sonnen“ ins Kino kommen. Die Dreharbeiten in China laufen. Der WDR hat das Buch Ende 2017 als Hörspiel in zwölf Folgen gesendet.
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