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„Die Wunderübung“ ist ein Fest für die Darsteller

Im Kino

Ein Mann (Devid Striesow) und eine Frau (Aglaia Szyszkowitz) fahren mit der Wiener U-Bahn. Kein Blick, keine Geste verrät, dass die beiden Eheleute sind. Wortlos erreichen sie das Haus mit der Praxis des Psychologen. Valentin und Joana haben einen Termin beim Paartherapeuten (Erwin Steinhauer).

Dortmund

, 25.06.2018
„Die Wunderübung“ ist ein Fest für die Darsteller

Joana (Aglaia Szyszkowitz) und Valentin (David Striesow) bei einer der therapeutischen Übungen. © Allegro Film

Der Mann zieht alle Register seines Fachs, um die beiden aus der Reserve zu locken. Darunter ist auch „Die Wunderübung“, die dem Theaterstück von Daniel Glattauer und der Verfilmung von Michael Kreihsl den Titel gab.

Es hat sich viel angestaut

Auch die Kino-Adaption, die am 28. Juni anläuft, steht und fällt mit ihren Darstellern, und die machen ein kleines Fest daraus. Schnippisch fährt Joana ihrem Mann übers Maul, der keilt zurück. In so gut wie jedem ihrer Sätze, den sie oft für den anderen beenden, ist ein Vorwurf, eine Spitze versteckt.

Da hat sich viel angestaut, es liegt am Therapeuten, Wut und Frust in produktive Bahnen zu leiten. In der Praxis des Experten hängen vier Diplome, doch die Doreks sind schwer zu knacken.

Ein eingespieltes Team


Die Sitzung beginnt als Runde zum Kennenlernen. „Erzählen Sie mal, was für Sie ein perfektes Ergebnis wäre?“ Schon pflaumen die Doreks sich an. „Wenn ich der reumütige Schuldige bin, hat es sich für dich doch gelohnt“, sagt er.

Sie gibt kontra, sofort schaukelt die Situation sich hoch. „In der Polemik sind sie ja ein eingespieltes Team“, bilanziert der Analytiker.

Mit Kasperle-Puppen


Neuer Anlauf. Rollentausch. Mit einer Kasperle-Puppe sollen Valentin und Joana für den anderen sprechen. „Du und die Migräne, die Kinder, der Haushalt, die Schwiegereltern, die Doppelbelastung!“ „Du hast dich doch ausgeblendet und für nichts interessiert!“. Nichts geht mehr.

Erst als der Psycho-Experte von sich etwas preisgibt, zieht das störrische Paar an einem Strang. In der Umkehr der Rollen liegt eine Komik, die der Film ausspielt, ohne zu überziehen.

Er braucht keine Schenkelklopfer-Gags, der Humor nährt sich vom Profil des Paares, das Striesow und Szyszkowitz so spielen, dass die Karikatur außen vor bleibt, der Witz aber trotzdem fruchtet. Ein amüsantes Kammerspiel (inszeniert in Echtzeit), ein Pärchen-Clinch, eine Komödie über das Handwerk der Therapeuten.