Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Dörrie greift nach dem Bären

BERLIN Schönheit hat ihren Preis. Und auf der Berlinale scheint das der Tod zu sein.

von Von Patrick Wildermann

, 11.02.2008

Große Schauspielerinnen hat das Festival-Wochenende gesehen, die nicht zuletzt für ihr verführerisches Äußeres bekannt sind: Julia Roberts, Penélope Cruz, auch die fabelhafte Tilda Swinton waren zu erleben. In Rollen jedoch, in denen es abwärts mit ihnen geht. Tödlich verunglückt die eine, sterbenskrank die andere, die dritte auf dem Weg in die Hölle.

Damen-Dramen

Julia Roberts, die selbst nicht nach Berlin kommen konnte, war im Wettbewerb mit "Fireflies in the Garden" vertreten, wenngleich außer Konkurrenz. Eine Mutter zweier Kinder spielt sie da, die bei einem Autounfall stirbt und deren Leben an der Seite eines tyrannischen Schriftstellers (Willem Dafoe) in Rückblenden aufgerollt wird. Wobei sich verborgene, ungeahnte Sehnsüchte offenbaren. Ein reichlich elegisches Drama, betitelt nach einem Robert-Frost-Gedicht, in dem auch Roberts sehr zurückgenommen spielt.Dram

Drama "Julia"

Eine Wucht hingegen war Tilda Swintons Auftritt in "Julia", einem Drama von Erick Zonca. Swinton, die auf jeden Fall einen Darstellerinnenpreis bekommen müsste, spielt eine haltlose Alkoholikerin, die den achtjährigen Sohn einer ebenfalls kranken Nachbarin entführt, um vom reichen Vormund des Jungen Lösegeld zu erpressen. Während der Flucht aber, die bis nach Mexiko führt, entdeckt diese außer Kontrolle geratene Julia zaghaft mütterliche Gefühle. 

Studie über die Vergänglichkeit

Aufregend auch die Philip-Roth-Verfilmung "Elegy". Die spanische Regisseurin Isabel Coixet adaptiert den Roman "Ein sterbendes Tier", der die Affäre zwischen einem 60-jährigen, erotomanen Literaturprofessor (Ben Kingsley) und einer jungen kubanischen Studentin (Penélope Cruz) verhandelt, die ins Unglück führt. Beide finden erst zueinander, als Consuela an Krebs erkrankt. Eine berührende Studie über die Vergänglichkeit, die Coixet da inszeniert.

Dem Sterben und Vergehen widmet sich auf andere Weise auch Doris Dörrie in ihrem Film "Kirschblüten - Hanami", einem von zwei deutschen Wettbewerbsbeiträgen.

Liebe zu Japan

Elmar Wepper spielt in dem überaus berührenden, leisen Film einen verschlossenen bayerischen Jedermann, der nach dem überraschenden Tod seiner Frau (Hannelore Elsner) nach Tokyo aufbricht.

Zu Lebzeiten wusste er mit der Liebe seiner Frau zu Japan und dem Butho-Tanz nichts anzufangen, nun spürt er ihrer Passion nach, trägt dabei ihre Kleider. Was Wepper vorzüglich, ganz schamfrei verkörpert. "Schauspielerei", sagte er auf der Pressekonferenz nur trocken, "hat ja auch was mit Mut zu tun."