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Ein Leben für Karl Hofer: Karl Wohlert aus Dortmund legt Werkverzeichnis vor

DORTMUND Sage und schreibe 33 Jahre hat Karl Bernhard Wohlert an seinem Lebenswerk gearbeitet. Nun ist es da, sieben Kilogramm schwer und 300 Euro teuer. Aber vor allem unschätzbar wertvoll für die Kunstgeschichte: das erste Werkverzeichnis des Künstlers Karl Hofer.

von Von Bettina Jäger

, 03.06.2008

Werkverzeichnisse führen alle Arbeiten eines Malers auf, sind unersetzliche Grundlage für Forscher und Studenten. Aber was für eine Arbeit die Erstellung eines solchen Verzeichnisses macht! Wer das "Hofer-Zimmer" des 83-jährigen Karl Bernhard Wohlert in Dortmund-Aplerbeck betritt, wird blass. Auf Tausenden von Karteikarten hat der Forscher seine akribische Suche nach Hofer-Werken dokumentiert. Ein Luftpostbrief aus Honolulu/Hawaii, wo sich zeitweise ein Gemälde des Künstlers befand, hängt an der Wand und kündet von der weltweiten Korrespondenz, die Wohlert seit 1975 geführt hat. Er wühlte sich durch Auktionskataloge, durchforstete Museums-Depots und inserierte sogar in US-Zeitungen, um private Besitzer zu finden. Alles auf eigene Kosten.

Abschied vom Original

Genau 2909 Gemälde hat er entdeckt - und die eine oder andere Fälschung enttarnt. "Ein Fabrikant aus Bergisch-Gladbach kam zu mir mit dem Motiv ,Abschied im Traum'", erzählt Wohlert. Er musste den stolzen Besitzer leider enttäuschen. "Der Techniker einer Lichtdruckanstalt hatte eine Reproduktion mit Öl übermalt."

Anno 1956 hatte sich Karl Wohlert, damals Buchhändler in Osnabrück, in eine Tessin-Landschaft Karl Hofers verliebt. Er erwarb eine Druckgrafik. Als er dann Mitte der 70er Jahre die Hofer-Landschaften heutigen Naturimpressionen gegenüberstellen wollte, scheiterte das Vorhaben daran, dass es kein Werkverzeichnis gab. Wohlert, inzwischen Bibliothekar an der Pädagogischen Zentralbücherei NRW in Dortmund (später Uni-Bibliothek) und Vater von drei Kindern, machte sich an die Arbeit. Er ahnte nicht, dass ein jahrelanger Kampf mit dem Nachlassverwalter der Hofer-Erben ihm sein Engagement noch sauer werden lassen sollte.... Eben jenem Nachlassverwalter wurde später das Mandat gerichtlich entzogen, die Einigung mit den Erben machte den Weg frei zum Erscheinen der drei schönen Bände im Verlag Van Ham Art Publications.

Manchmal habe er schon Zweifel gehabt, ob er noch fertig werden würde, sagt Wohlert: "Es war alles sehr mühsam." Ohne die Hilfe seiner Mutter und seiner Frau hätte er es nicht geschafft, betont er. Da freut es ihn schon, dass ihm die Hofer-Erben zum Dank eine Zeichnung des Künstlers überreicht haben und gerade der Brief eines Fachkollegen eintraf mit dem Satz: "Ihr Opus magnum übertrifft alle meine Erwartungen."

Der größte Wunsch

Doch Wohlerts größtes Anliegen ist, dass Karl Hofer endlich den ihm gebührenden Platz in der Kunstgeschichte erhält. "Ich hoffe, dass die Beschäftigung mit Hofer jetzt Auftrieb bekommt." Wohlert war empört, als ihm ein Buch über die 100 bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts in die Hände fiel, "und Hofer war nicht dabei. Das geht doch nicht!"