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Eleganz und Nostalgie mit Methode

WUPPERTAL Diesmal hat Pina Bausch tatsächlich nur "ein Stück" choreografiert, uraufgeführt am Freitag im Wuppertaler Schauspielhaus. Anknüpfend an ihr vorjähriges Tanztheater "Bamboo Blues", unternahm sie den "Versuch zu sehen, wie mit unterschiedlichen Tänzern aber der gleichen Ausgangssituation zwei verschiedene Stücke entstehen können".

Eleganz und Nostalgie mit Methode

Die Damen bieten den Herren ihre knochigen Rücken zum lasziven Liebesspiel an.

Vom vorjährigen Projekt ist konkret wenig sichtbar, spürbar freilich der sanfte, melancholische, nostalgische Tenor und die Ambivalenz zwischen Natur und Kultur - gestern, heute und morgen. Nicht zufällig sagen die Tänzer immer wieder zweideutig: "Nicht vergessen!"

Das bewährte Bausch-Team arbeitet mit Methode: Da werden gesellschaftliche Bewegungsmuster mit dem jodel-ähnlichen Improvisationsgesang der Nord-Norwegerin Mari Boine über "the nature of animals" konterkariert - drei Damen und ein Herr unter venezianischen Karnevalsmasken mimen Wildkatzen. Zum virtuosen Gitarren-Plimplim des Franzosen (und Pina Bausch-Verehrers) René Aubry bieten drei der Damen den Herren ihren knochigen Rücken zum lasziven Liebesspiel an.

"Der Blaufuchs"

Der Ex-Tänzer Matthias Burkert und Andreas Eisenschneider zeichnen für die musikalische Mitarbeit verantwortlich. Von Peter Pabsts Bühnenbild sind die weißen, wehenden Vorhänge geblieben und die Filmszenenprojektionen. Allerdings flimmern jetzt statt Bollywoods Liebesfilm-Kitsch Ausschnitte aus einem Klassiker des deutschen Kinos: "Der Blaufuchs" mit Zarah Leander, Willy Birgel und Paul Hörbiger. Wenn Julie Shanahan in einer fließenden cremefarbenen Jugendstil-Robe von Marion Cito auftritt, meint man Marlene Dietrich zu sehen. Das "Blaufuchs"-Chanson "Kann denn Liebe Sünde sein?" ist nie zu hören, aber immer präsent.

Funkelnde Diamanten

Anstelle der 16 jüngeren Ensemblemitglieder der in Indien konzipierten Choreografie steht jetzt eine kleine Riege "Altgedienter" auf der Bühne des Wuppertaler Schauspielhauses: die rassige Regina Advento, die Parodistin Nazareth Panadero, die elegische Helena Pikon, die schrille Julie Shanahan, die glamouröse Lady Julie Anne Stanzak, die robuste Realistin Aida Vainieri und der hinreißend dezente Andrey Berezin, Temperamentsbündel Daphnis Kokkinos und der rechtschaffen deutsche Michael Strecker. Charaktere eben. Diamanten, von Pina Bausch für große Auftritte fein geschliffen, damit sie mit ihren besten Facetten funkeln können. Das ist ihr gelungen.  

Termine: 3., 4., 6., 7. und 8. Juni; Karten: Tel. (02 02) 5 69 44 44.

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