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Grillo-Theater

Essener „Proletenpassion“ dauert gefühlt Jahrhunderte

Essen Die Inszenierung der „Proletenpassion“ im Essener Grillo-Theater schlägt bei der Premiere manchen Zuschauer in die Flucht.

Essener „Proletenpassion“ dauert gefühlt Jahrhunderte

Rezo Tschchikwischwili in der Proletenpassion Foto: Kaufhold

Geschichtsstunde im Essener Grillo-Theater: Von den Bauernkriegen über die Französische und Oktober-Revolution bis in unsere Zeit reicht das Spektrum der „Proletenpassion“.

Bernd Freytag und Mark Polscher haben die aus den 1970er-Jahren stammende historische Revue der Band Schmetterlinge mit Texten von Heinz R. Unger nun für das Essener Haus bearbeitet. Doch die Zeit der Protestlieder ist vorbei. So scheint die recht statische Inszenierung der Geschichte Jahrhunderte zu dauern, dabei sind es nur zwei Stunden.

Chormitglieder malträtieren Instrumente

Mit einem großen Laienchor und einigen Ensemblemitgliedern bringt das Regie-Duo die Revolutionsromantik auf die Bühne. Die Idee vom starken Kollektiv, dem Wir wird ein Ich gegenübergestellt, das von der Vereinzelung, vom Rückzug ins Private mit verschwurbelten Texten erzählt.

Gesungen wird a-cappella, die Soli werden meist von den Schauspielern übernommen, die aber eben keine Sänger sind. Doch auf Instrumente wird nicht verzichtet, jedes Chormitglied malträtiert eins. Die Instrumental-Passagen sollen laut Programmheft „szenisch-emotional funktionieren“, verstärken mit ihren dissonanten Klängen allerdings nur den Wunsch, die Aufführung möge bald enden. Das Regieteam lässt leider auch Laien kleine Textpassagen sprechen, das hört sich leierig und einschläfernd an.

Rhythmische Gymnastik

Die Inszenierungs-Einfälle sind an Plattheit kaum zu überbieten. Neben dem Gesang gibt es alberne Kabinettstückchen für die Mimen. Und natürlich fehlt auch die rote Fahne nicht, wenn es um die Oktober-Revolution geht: Der Chor formiert sich mit Bäumchen zum Wald, bevor die Stämme eine Barrikade bilden, auf der Henriette Hölzel mit der Flagge hantiert (man denkt an rhythmische Sportgymnastik) und der Chor dazu ein Loblied auf die Partei singt.

Die selbstkritische Einsicht, das Werk nicht aufzuführen, kommt im letzten gemeinsam gesprochenen Text zu spät. Da hatten längst einige Zuschauer die Flucht ergriffen.

Termine im Grillo-Theater: 16./21./24.5., 2./3./14./15.6.; Karten: Tel. (0201) 8122200.

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