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Festival "Gimme Shelter": Die Apokalypse als Klamauk-Revue

DÜSSELDORF Die Welt geht unter auf der Bühne, und das Publikum in der Alten Paketpost, der neuen direkt am Hauptbahnhof gelegenen Spielstätte des Düsseldorfer Schauspielhauses, amüsiert sich zu Tode.

22.06.2008
Festival "Gimme Shelter": Die Apokalypse als Klamauk-Revue

Szene mit (v.l.) Janina Sachau, Micheal Schütz und Denis Geyersbach.

Die Apokalypse ist auch nur eine Comedy-Show. Das scheint uns zumindest Christian Dolls Uraufführungsinszenierung von Nora Mansmanns "Zwei Brüder drei Augen", die am Freitag im Rahmen des amerikanisch-deutschen Theaterfestivals "Gimme Shelter" Premiere hatte, versichern zu wollen.

Alles ist kaputt. Die Schere zwischen Arm und Reich hat die Welt geteilt, die extremen Klimaverhältnisse haben jede Menge Mutanten hervorgebracht. Dementsprechend bizarr wirkt das Personal dieser Endzeit-Farce. Auf der einen Seite wurschteln die Hermaphroditin Frotzi, die bei Janina Sachau eine Schwester von Marcel Duchamps bärtiger Mona Lisa sein könnte, ihr drei-äugiger Bruder Wowa (Denis Geyersbach), der schüchterne ältere Werwolf Nobbi (Michael Schütz), der von dem singenden Tumor Stalin geplagt wird, und das ständig von Revolution quasselnde Wasserwesen Gelantine (Anne Knaak) vor sich hin. Auf der anderen strebt die HNO-Ärztin und Psychotherapeutin Dr. Foxy, die Susanne Tremper mit Plüschkatze im Arm als überdrehte Nachfolgerin des Bond-Bösewichts Blofeld spielt, nach der Weltherrschaft.

Nora Mansmanns wüstes, mit aktuellen Anspielungen und literarischen Querverweisen gespicktes SciFi-Pop-Theater hat einen ganz eigenen Sound. Nur ist davon in Christian Dolls Umsetzung nichts mehr zu hören. Mansmanns eigenwilliger Ton hat keine Chance gegen die albernen Faxen, die Janina Sachau, Denis Geyersbach und Susanne Tremper ständig aufführen müssen. Aber selbst wenn die Schauspieler sich etwas mehr zurückhielten, der Klang des Textes ginge trotz allem in dieser mit den ältesten Mitteln des Pop-Theaters, Videoprojektionen und Song-Soundtrack, aufgepeppten Klamauk-Revue aus dem Absurditätenkabinett verloren. Sascha Westphal