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Film zieht eindrucksvoll Bilanz eines Lebens

„Vom Ende einer Geschichte“ ist großes Menschen-Kino

„Vom Ende einer Geschichte“ erzählt von einem, der Bilanz zieht und sich den schmerzlichen Fehlern seiner Jugend stellt – nach einem Buch von Julian Barnes.

Dortmund

von Kai-Uwe Brinkmann

, 18.06.2018
Film zieht eindrucksvoll Bilanz eines Lebens

Tony (Jim Broadbent) ist noch heute angetan von seiner Jugendliebe Veronica (Charlotte Rampling). © Foto Wild Bunch

Nein, das ist kein Film für junge Leute. Nachempfinden kann ihn, wer einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat und sich gelegentlich fragt, was er falsch und richtig gemacht hat in seiner Jugend. Manchmal spielen subjektive Erinnerungen uns einen Streich. Wir sehen unser Tun in einem gnädig milden Licht, sind vielleicht zu selbstgerecht oder zu eitel, um uns Fehler einzugestehen.

Gedanken an die Studentenzeit

Tony Webster, gespielt von Jim Broadbent (68), ist der Melancholie-umflorte „Held“ in Ritesh Batras Verfilmung eines Romans von Julian Barnes. „Vom Ende einer Geschichte“ erzählt, wie dieser Tony gedanklich in seine Studentenzeit zurückkehrt, wo er ein aufregendes Mädchen traf, liebte und an seinen besten Freund verlor. Das ist 50 Jahre her, aber die Sache beschäftigt den alten Herrn, jetzt wo er in Rente ist und nebenher einen Laden für Leica-Kameras betreibt.

Tony weiß noch, wie er Veronica auf einer Party kennenlernte und dazu „Psychotic Reaction“ auf dem Plattenteller lag. Schon damals war sie so anziehend wie unnahbar, die Aura hat sie heute noch. Tony trifft seine alte Flamme (Charlotte Rampling), weil es für ihn ein Schriftstück gibt aus dem Nachlass von Veronicas Mutter. Veronica, die stolze, kühle Eiskönigin, verweigert die Herausgabe. Sie habe das Tagebuch ohnehin längst verbrannt und basta.

Was stand im Tagebuch?

Tony plagt sich mit Überlegungen, was im Tagebuch geschrieben stand. Alte Geschichten werden lebendig. Er kann es nicht lassen, steigt Veronica nach, drängt auf eine Aussprache. Bald dämmert ihm, dass er sich reichlich gehässig benommen hat.

Ein Puzzle aus Rückblenden und heutigen Episoden fügt sich zu einer Charakterstudie. Die Alten leben immer auch mit dem Schmerz von gestern, Tony ist keine Ausnahme. Kluges, wahrhaftiges Menschen-Kino, von Rampling und Broadbent schön gespielt. Sehr gemächlich und unaufgeregt inszeniert, doch jederzeit im Leben zuhause.