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Freundliche Fremde: Skulpturen von Ursula Commandeur in Herne

HERNE Sie strecken Fühler und Rüssel aus, lauschen mit Dutzenden von kleinen Trichtern oder stehen auf ihren Haaren: Die Skulpturen der Ursula Commandeur sind schon ungewöhnlich. Zu sehen sind sie in den Flottmann-Hallen Herne.

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Effektvoll arrangiert: Ein Blick in die Ausstellung.

Ursula Commandeur mit ihrem Kunstwerk "Virus".

Ungewöhnlich ist auch Ursula Commandeur. Das ist keine Keramikerin, die an der Drehscheibe erdfarbene Kerzenständer fürs rustikale Zuhause anfertigt. Ein Klischee, das sie nicht mag. „Diese Nische will ich verlassen.“ Stattdessen erschafft die Künstlerin (*1958) aus Castrop-Rauxel abstrakte Skulpturen aus Porzellan, die ihr im vergangenen Jahr den Staatspreis des Landes NRW für das Kunsthandwerk eingebracht hatten – in diesem Bereich die wohl bedeutendste Auszeichnung in Deutschland. Sie habe immer schon so gearbeitet, erzählt die Künstlerin mit den schönen wilden Locken, „schon für mein Examen an der FH Niederrhein in Krefeld. Aber damals hat das noch niemanden interessiert.“

Ein Steinbock als Examensarbeit

Auch ihre Examensarbeit ist in Herne zu sehen: Der „Capra ibex“ (lateinisch für Steinbock) besteht aus konisch zulaufenden Röhren mit je zwei Hörnern. Die Einzelteile, verbunden durch Kautschukbänder, halten sich gegenseitig am Platz wie die Steine eines Mauerbogens – eine auch statisch verblüffende Konstruktion.

So fremdartig wie Wesen vom Mond

 Was diese Arbeiten so einzigartig macht? Dass sie so fremdartig wirken wie Wesen vom Mond, aber zugleich auch den Kontakt zu suchen scheinen – durch die großen Tüllen, die sich dem Betrachter wie Hörrohre entgegenstrecken oder die Drähte, die die Umgebung zu erkunden scheinen. „Man sagt ja auch, ,zu jemanden einen Draht haben‘“, lächelt die Künstlerin. Neugierig und heiter wirken ihre Geschöpfe, manchmal auch gefährlich oder poetisch wie der „Presssack“, der auf seinen Drahthaaren zu schweben scheint. Die Skulpturen ähneln der Natur – nur nicht der, die wir kennen. Der Draht hat übrigens auch eine praktische Funktion: Er hält die Skulpturen zusammen, die aus Hunderten von Einzelteilen bestehen. Die Ausstellung umfasst 29 große Objekte und ist extrem effektvoll arrangiert. Man wünscht ihr viele Besucher.   Flottmann-Hallen Herne: „Die Anderen“, Halle IV. Gleichzeitig ist die Schau „Auswahl 2008“ mit Arbeiten von 43 Herner Künstlerinnen und Künstlern (Halle I/II) zu sehen. Alles bis 29.6., Di-So 14 -20 Uhr.

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Effektvoll arrangiert: Ein Blick in die Ausstellung.

Ursula Commandeur mit ihrem Kunstwerk "Virus".

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