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Museum Kunstpalaast

Grau fasziniert in der Schau „Black & White“

Düsseldorf Mit der Ausstellung „Black & White“ zeigt das Museum Kunstpalast in Düsseldorf die erste große Themenschau über Malerei, die auf Farbe konsequent verzichtet. Viele Arbeiten verblüffen.

Grau fasziniert in der Schau „Black & White“

Besucher sitzen in der skulpturalen Installation „Das Haus des Sammlers“ des belgischen Künstlers Hans Op de Beeck aus dem Jahr 2016.Foto: dpa

Für einen der erfolgreichsten Künstler unserer Zeit, den Maler Gerhard Richter, ist ausgerechnet Grau „die ideale Farbe“. Dabei signalisiert Grau nach gängiger Auffassung doch eher Tristesse. Warum das ein Vorurteil ist, zeigt das Düsseldorfer Museum Kunstpalast mit einer großen Themenschau.

„Black & White“ nennt sich das Kooperationsprojekt mit der National Gallery London. Man glaubt es kaum, aber es ist tatsächlich die erste Ausstellung über eine Malerei, die auf Farbe konsequent verzichtet. Viele der gut 100 Arbeiten aus sieben Jahrhunderten verblüffen. Unter den Leihgebern sind führende Häuser vom New Yorker Metropolitan Museum of Art bis zur Eremitage in St. Petersburg, von der Wiener Albertina bis zum Prado in Madrid.

Meditative Einkehr

Die Grisaillemalerei (nach dem französischen gris gleich grau) galt seit dem Mittelalter unterschiedlichen Zwecken. Zisterzienser-Mönchen diente sie in der Darstellung der Passionsgeschichte der Abkehr vom grellen weltlichen Trubel und der meditativen Einkehr. Das grau in grau bemalte monumentale Leinentuch „Christus am Ölberg“ von 1538 ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür.

Albrecht Dürer bediente sich der Grisaillemalerei in seiner „Studie zum Gewand Gottvaters“ 1508 mit behutsam zugesetztem Deckweiß der verfeinerten Darstellung von Licht und Schatten für ein Altargemälde.

Rubens Venus-Skizze

Körper wirken in der Grau-in-Grau-Darstellung wie versteinert. Diesen Effekt nutzte der Italiener Andrea Mantegna in der Renaissance in seinem Fries „Einführung des Kultes der Kybele in Rom“. Hier wetteiferte ein Maler 1505 mit der Bildhauerei.

Rubens nutzte seine monochrome Skizze „Die Geburt der Venus“ 1632 als Vorlage für eine Silberschale.

Orientalisches Sujet ohne Farbe

Wie entrückt wirkt die „Odaliske“ des Franzosen Ingres. Aus diesem Bild ist alles Farbige des orientalischen Sujets verbannt. Das aus New York entliehene Ingres-Gemälde korrespondiert mit Picassos „Liegendem Akt“ aus einer Düsseldorfer Privatsammlung.

Wie verwunschen mutet Edgar Degas‘ einziges Grisaillegemälde „Ballettprobe auf der Bühne“. Es entzückte das Publikum der ersten Impressionisten-Ausstellung 1874.

Grisaillemaler Giacometti

So wie später einer der bedeutendsten Grisaillemaler des 20. Jahrhunderts, Alberto Giacometti. Wie die Grisaillemalerei mit der Grafik wetteifert, ihr umgekehrt auch als Vorlage für Reproduktionen dient, und sich dasselbe später mit der Fotografie wiederholt, zeigen eigene Kabinette.

Nicht weniger als vier Arbeiten sind von Grau-Freak Gerhard Richter zu sehen.

MeeToo-Debatte

Mit einem gerasterten Großformat des in den USA wegen Belästigungen ins Gerde gekommenen Künstlers Chuck Close holt den Kunstpalast die MeeToo-Debatte ein.

Das Irreale einer Welt, aus der Farben verbannt sind, treibt indes der Belgier Hans Op de Beeck in seiner begehbaren Installation „Das Haus des Sammlers“ von 2016 auf die Spitze.

Museum Kunstpalast Düsseldorf: „Black & White“, bis 15.7., Ehrenhof 4-5, Di-So 11-18 Uhr, Do 11-21 Uhr. Katalog: 39,90 Euro.

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