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Groschenheft statt Marquez-Roman

Für Florentino ist es Liebe auf den ersten Blick. Fermina heißt die Angebetete. Unter Schweißausbrüchen eilt er nach Hause, um einen Liebesbrief mit -zig Seiten aufzusetzen. Himmel und Filmmusik hängen voller Geigen.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 26.02.2008
Groschenheft statt Marquez-Roman

Giovanna Mezzogiorno spielt die Fermina.

"Ich will das zarte Fleisch jeden Wortes essen, das sie mir schreibt!" Auf großes Verlangen folgt schmerzhafte Entsagung: Ferminas Vater schickt sie aufs Land. Florentino schwört ewige Treue...

50 Jahre darf er Fermina nur von fern anhimmeln. Doch als ihrem Mann (Benjamin Bratt) das Totenglöckchen schlägt, steht der Galan von damals bei Fermina auf der Matte. Eine Flussfahrt wird zum späten Honeymoon. - Hedwig Courths-Mahler ist nichts dagegen.

Dröge Zweisamkeit

Javier Bardem gibt den Florentino. Guter Schauspieler, dessen Raubtiergesicht ihn kaum für den romantischen Liebhaber prädestiniert. Als jugendglatter Schwärmer wirkt er zu alt, dann lässt ihn die Maske über Nacht zum Tatterich welken. Schon seltsam, dass diesem Rentner-Erotomanen ein junges Ding ins Bett gelegt wird. 622 Affären verzeichnet Florentinos Tagebuch. Die Weibsbilder schnaufen so brünstig, dass im Kino gekichert wird. Da fügt sich Shakiras knödelndes Vibrato gut ein.

Giovanna Mezzogiorno spielt die Fermina. "Schön sein!", wäre ihre Regieanweisung. Obwohl: Zum Niederknien göttlich ist sie nicht. Eva Mendes, Penelope Cruz - ja! Mezzogiorno eher nein.

Sekundärtugenden wie Kostüm, Dekor, Folklore-Treiben und Regenwaldbilder fallen prächtig aus. Hilft aber nichts. Unterm Strich stehen dröge 140 Minuten Zweisamkeit.