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Das Interview

Helena Bonham Carter mag Leute, die anders sind

Düsseldorf Die britische Schauspielerin Helena Bonham Carter spielt im Kinofilm „Eleanor und Colette“ eine Frau, die als paranoid schizophren diagnostiziert wurde. Sie liebt Exzentriker und erzählt unserem Kinokritiker im Interview, warum sie für manche Rollen eine Astrologin befragt.

Helena Bonham Carter mag Leute, die anders sind

Helena Bonham Carter (hier beim Gespräch in Düsseldorf) hat ihren neuen Film auch in NRW gedreht. Foto: Brinkmann

Weltstars wie Helena Bonham Carter trifft man nicht alle Tage. Weil ihr neuer Film „Eleanor und Colette“ zum guten Teil in NRW und den Kölner MMC Studios gedreht wurde, beantwortet die 51-jährige Britin in einem Düsseldorfer Hotel die Fragen der Presse – und entpuppt sich als angenehme, auskunftsfreudige Zeitgenossin.

Miss Bonham Carter, wie kamen Sie zu ihrer Rolle als Eleanor im neuen Film von Bille August?

Eigentlich eine alte Geschichte: Vor 15 Jahren sollte der Stoff bereits verfilmt werden, damals war ich aber für den Part der Colette im Gespräch. Regie sollte ein Deutscher führen, dessen Namen ich nicht parat habe.

Das Projekt zerschlug sich wegen finanzieller Nöte. Jetzt aber gab es die Kölner Produzentin Anita Elsani, deutsches Geld, Bille August als Regisseur und das Angebot, die Eleanor zu spielen. Ich finde heute, dass diese Rolle besser zu mir passt als die andere.

Warum das?

Ich mag es, Leute zu spielen, die eine kindliche Seite haben. Deren Geist ist auch meiner. Und in Eleanor steckte viel von einem Kind. Außerdem hatte sie Humor und war wirklich tapfer.

Ich fand es irgendwie befreiend, diese Frau zu verkörpern, die Rolle war ein Geschenk.

Wie näherten Sie sich einer Frau, die als paranoid schizophren diagnostiziert wurde? Wie fühlt man sich ein als Schauspielerin?

Ich weiß einiges über seelische Krankheiten. Ich traf viele, die daran laborieren. Auch meine Mutter hatte früher Probleme damit, von Beruf ist sie übrigens Psychotherapeutin. Bei Eleanor lag der Fall aber so, dass sie gar nicht schizophren war, sondern Opfer einer Fehldiagnose. Sie bekam einen Haufen Medikamente, ich sage Drogen, und die riefen Symptome hervor, etwa Angst- und Panikattacken. Die musste ich spielen.

In der Szene, wo Eleanor von drei Pflegern gebändigt werden muss, habe ich dann voll aufgedreht. Ich habe wirklich geboxt und getreten und mich ausgepowert, damit zu sehen ist, dass die Frau um ihr Leben fürchtet. Wenn Du eine reale Person verkörperst, ist es deine verdammte Pflicht, ihr möglichst nahe zu kommen.

Bis hinein in Eleanors seltsam hinkenden Gang, den Sie zeigen?

Ja klar. Ich habe mich gefragt, wie es sich manifestiert, dass Eleanor mit zehn Jahren einen Hirnschaden hatte. In ihrer Sprache, ihrem Gang? Du darfst nicht zu dick auftragen, musst aber zeigen, dass sie ein wenig anders ist. Es waren Nebenwirkungen vieler Medikamente, die sie sehr viel mehr wie eine Behinderte aussehen ließen.

Sie wollte weg von diesen Medikamenten, schrie um Hilfe und wollte gehört werden. Als Individuum, nicht als Frau in der Zwangsjacke. Sie wollte über sich selbst bestimmen, nicht von Ärzten durch Medikamente beherrscht werden. Ihr Mitstreiter Morton sagte mir, Eleanor sei wie eine Gewerkschaftlerin gewesen, die in der Klinik auch für andere eintrat.

Sie war eine Frau, die nicht nur für sich selbst etwas erreichen wollte, sie wusste, dass andere Patienten so ohnmächtig waren wie sie selbst.

Eine Kämpferin, die eine Mission hatte?

Das kann man so sagen. Dann habe ich noch etwas über Eleanor gelernt, von einer guten Freundin, die Astrologin ist. Die ziehe ich immer zu Rate, wenn ich echte Personen spiele. Ich gab meiner Freundin Eleanors Geburtsdatum, sie befragte also die Sterne zu diesem Tag.

Eleanors Geburtstag sei der Tag des Baumeisters, fand sie heraus. Ich meine, das passt. Stufe für Stufe hat Eleanor etwas aufgebaut („55 Steps“, 55 Stufen, heißt der Film im Original), bis das Patientenrecht in Amerika geändert wurde. Eine tolle Leistung für eine „Behinderte“.

In Ihren Rollen sind Sie oft als Paradiesvogel zu sehen, als jemand jenseits der Norm. Zufall?

Wie gesagt, meine Mutter ist Psychotherapeutin, vielleicht liegt ein Faible für das Verrückte in meinen Genen. Ja, ich mag Krankheiten, ich liebe Menschen, die anders sind als der Rest.

Viele erschrecken vor ihnen, ich aber nicht. Ein Freund von mir ist Psychiater. Er hat eine Arbeit über die diversen Gangarten von Patienten mit bestimmten neurologischen Befunden geschrieben. Ich finde das Thema absolut faszinierend!

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