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Hilfe, die moderne Zeit hat unsere Städte geschrumpft

DUISBURG „Hilfe, meine Stadt schrumpft.“ Ein Seufzer, den wohl schon mancher Oberbürgermeister ausgestoßen hat. Duisburg hat zwischen 1962 und 2006 genau 24,8 Prozent seiner Einwohner verloren, in Dortmund waren es 10,1 Prozent. „Schrumpfende Städte“ sind Thema einer Doppelausstellung gleichen Namens in Dortmund und Duisburg.

von Von Bettina Jäger

, 25.02.2008
Hilfe, die moderne Zeit hat unsere Städte geschrumpft

Die Liebfrauenkirche in Duisburg.

Die erste Hälfe mit dem Titel „Internationale Untersuchung“ läuft seit Mitte Februar im Dortmunder Museum am Ostwall (wir berichteten) und ist eine dramatische Bestandsaufnahme. Aber was können Städte tun, wenn der Exodus begonnen hat? Antworten verspricht der zweite Teil der Schau mit dem Titel „Interventionen“, der heute um 19 Uhr in der Liebfrauenkirche Duisburg öffnet.

Sich neu erfinden

„Die Stadt muss und kann sich neu erfinden“, sagt Florian Heilmeyer, kuratorischer Assistent der Schau, die seit 2002 im Auftrag der Bundeskulturstiftung durch die Welt tourt. Wie wäre es zum Beispiel, die Stadt zurückzubauen und auf urbane Inseln im Grün zu reduzieren? Schon 1977 schlug das der Architekt O. M. Ungers vor. Der 1996 von der IBA Emscher Park realisierte „Industriewald“ ist ein Nachkomme dieser Idee, und zwei Berliner Architekten planen ein ähnliches Programm mit dem Titel „Shrink to fit“ für Magdeburg.

Neben derart handfesten Ideen zeigt die Schau auch solche am Rand des Scherzes – etwa eine chinesisches Sonderwirtschaftszone in Halle/Leipzig. Und im Kapitel „Selbst regieren“ lernen wir Projekte kennen, die ganz ohne die öffentlich Hand funktionieren. Menschen machen ihr eigenes Fernsehen oder schlagen sich wie Rosi Z. im bewegenden „Handbuch der Überlebenden“ ohne Geld durch.

Der Ort der Schau könnte kaum besser gewählt sein. Die Liebfrauenkirche gegenüber des Theaters ist selbst Opfer eines Schrumpfungsprozesses, und zwar der Katholischen Kirche. Das Gotteshaus wird nicht mehr gebraucht, in eineinhalb Jahren soll es an die Stiftung „Brennender Dornbusch“ übergeben werden. Die Ausstellung soll das markante Innere bekannter machen und so den Weg des Gebäudes in eine neue Zukunft als Kultur-Raum ebnen.

Schade nur angesichts so wichtiger Inhalte, dass sich die Schau bei der Vermittlung selbst im Weg steht. Wer etwas kapieren will, muss Zettel und Texttafeln lange studieren. Hilfe, sind denn hier auch die Erkenntnisse moderner Ausstellungsarchitektur weggeschrumpft?  

  Schrumpfende Städte:  „Internationale Untersuchung“, Museum am Ostwall Dortmund, Ostwall 7, bis 27.4., 10.17, Do-20, Sa 12-17 Uhr.  „Interventionen“, Liebfrauenkirche Duisburg, König Heinrich-Platz, 27.4.-11.5., Mi-Mo 12-19, Di 12-22 Uhr.