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Mülheimer Dramatikerwettbewerb

„Homohalal“ spielt 2037 in Dresden, der Hauptstadt der Toleranz

Mülheim Bei dem Mülheimer Dramatikerwettbewerb „Stücke“ wirft Ibrahim Amirs „Homohalal“ einen Blick auf die Flüchtlinge von damals.

„Homohalal“ spielt 2037 in Dresden, der Hauptstadt der Toleranz

Szene aus dem Stück „Homohalal“ Foto: Baltzer

„Ich bin Ahmed aus Syrien, bin übers Meer gekommen mit 200 Leuten im Boot. Cool – jeden Tag ruft jemand an. Auf Theaterfestivals soll ich meine Geschichte erzählen. Könnt ihr sie noch hören? Ich nicht. Ich will Schauspieler werden und die Leute professionell anlügen...“

Ein Flüchtling, der seine (erlogene?) Elends-Litanei nicht mehr hören mag, obwohl sie ihn zum gefragten Mann der Kulturszene macht. Figur eines Stückes, das mit vielen Gewohnheiten bricht, die wir zum Thema Flucht pflegen. Ibrahim Amirs „Homohalal“, Samstag bei den Mülheimer „Stücken“ gespielt, ist eine Groteske aus dem Dresden von 2037.

Feinste Muster-Deutsche

Die Stadt wurde zur tolerantesten Gemeinde Europas erklärt. Die Flüchtlinge von einst sprechen Deutsch und tragen in Laura Linnenbaums Inszenierung (Staatsschauspiel Dresden) blonde Perücken, Business-Kostüm und eleganten Chic. Fluchen tun sie noch arabisch, sonst sind sie feinste Muster-Deutsche.

Ibrahim Amir versammelt seine Figuren auf der Trauerfeier für einen Freund. Sie erinnern sich an ihre Kämpfe gegen Rechtsradikale, sie sind in der Gesellschaft angekommen. Ausgerechnet in Dresden, das Amir zum humanistischen Leuchtturm erhebt.

Alte Rechnungen begleichen

Doch der Kitt zwischen Arabern und Integrationshelfern zeigt Risse. „Undankbare Brut“, schimpft Albertine, die einen Flüchtling heiratete.

Alte Rechnungen werden beglichen. Nicht die Religion ist Grund für Zank – die Araber sind assimiliert bis zur Unkenntlichkeit – es sind Eifersucht und Menschlich-Allzumenschliches.

Ironie verwischt Trennschärfen

Ironie ist das Stilmittel dieses Stückes zwischen Satire und Komödie. Ironie ist immer riskant, weil sie Trennschärfen verwischt. Was ist purer Hohn, was Standpunkt? Flott, wendig, kurzweilig, in Aussage und Botschaft etwas diffus.

Nächster Termin: „Am Königsweg“ von Elfriede Jelinek, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, 26.5., 19.30 Uhr, Stadthalle Mülheim. Benny Claessens erhielt für seine schauspielerische Leistung in dem Stück zum Abschluss des Berliner Theatertreffens am Montag den Alfred-Kerr-Darstellerpreis (5000 Euro). Karten: Tel. (0208)960960. www.stuecke.de

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