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In „Hereditary“ piesacken Dämonen eine Familie

Neu im Kino

Ari Asters Langfilm-Debüt „Hereditary – Das Vermächtnis“ bietet clever orchestrierten Gruselhorror.

von Kai-Uwe Brinkmann

, 15.06.2018
In „Hereditary“  piesacken Dämonen eine Familie

Schatten über einer Familie: Annie (Toni Collette, r.) will ihre Tochter (Milly Shapiro) aufmuntern. © dpa

Jüngere Horrorfilme bewegen sich zwischen zwei Polen. Extremer Sadismus („Saw“, „Hostel“) oder reduzierter atmosphärischer Grusel wie bei „Paranormal Activity“. Ari Asters Langfilm-Debüt „Hereditary – Das Vermächtnis“ ist ein exzellent orchestriertes Horrorstück, das sich von scheinbarer Normalität zu schleichender Irritation und blankem Terror vorarbeitet. Für den Kinogänger ist es eine Fahrt mit der Geisterbahn, die gemächlich loszuckelt, um bei jeder Schreck-Station neue Fahrt aufzunehmen.

Wobei der Film mehr dem erzählerischem Sog des clever akkumulierten Suspense verpflichtet ist als überfallartigen Schocks. „Hereditary“ hat nämlich eine starke psychologische Komponente und ließe sich auch als Familienaufstellung beschreiben.

Tolle Darsteller

Dazu braucht es Darsteller, die Charaktertiefe abbilden können, und Aster hat sie. Die fulminante Toni Collette spielt Annie, die Mutter. Gabriel Byrne verkörpert den Papa, Alex Wolf den Sohn, Milly Shapiro die kleine Tochter.

Über allen schwebt der Geist der toten Oma, die Annie in der Grabrede „schwer durchschaubar“ nennt. Wie wenig sie von Muttern weiß, zeigt das Finale, wo der Film ein satanisches Komplott wie in „Rosemaries Baby“ enthüllt.

Eine dunkle Sphäre

Ari Aster erfindet das Genre also nicht neu, jongliert aber virtuos mit dessen Stilmitteln. Die Kamera schürt Unbehagen, wenn sie schlafwandlerisch das Heim der Familie durchstreift und ein von Annie gebautes Puppenhaus ins Bild rückt. Dann wird das Mini-Tableau lebendig und zum Zimmer des Sohnes.

Feine Mystery-Spannung kreiert auch die Tonspur, wo ein Sirren oder ein moduliertes Brummen dezent rumoren. Ein tragischer Unfall beschleunigt die Nervenkrise der Mutter, die sich dem Okkulten zuwendet und mit einer dunklen Sphäre in Kontakt tritt. Jetzt wird es ungemütlich. Aufwühlend spielt Collette Annies innere Dämonen, während ihr Sohn von realen Teufeln geplagt wird. Arthouse-Grusel von beachtlichem Kaliber.

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