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In New Yorker Börse ließ er die Zeit gerinnen

GELSENKIRCHEN Die Fotografien Ralf Kaspers üben eine beträchtliche Faszination auf den Betrachter aus. Ihrer Sogkraft kann man sich so schnell nicht entziehen. Und das liegt keineswegs nur an den extrem großen Formaten, die der 50-jährige Düsseldorfer Lichtbildner bevorzugt.

von Von Bernd Aulich

, 18.02.2008
In New Yorker Börse ließ er die Zeit gerinnen

Ralf Kaspers war der erste Fotograf, der seit 15 Jahren die New Yorker Börse ablichten durfte.

Das Museum in Gelsenkirchen-Buer widmet ihm seine erste Ausstellung im neuen Jahr. Ihr Titel "1 von 5" verweist darauf, dass es von jedem Motiv nur fünf Abzüge gibt. Für den seit 1982 frei schaffenden Künstler ist es die erste Museumsschau.

Kaspers arbeitet in Serien. Den großen Menschheitsthemen widmet er sich mit einer Akribie, die der sonst eher flüchtigen Fotografie fremd ist. Auf künstliche Verfremdungseffekte verzichtet er. Und dennoch behauptet sich die Fotografie bei ihm als eigenständiges künstlerisches Medium.

Realität als Vision

Gelegentlich lässt sich Kaspers durch ein Motiv inspirieren. Lieber sucht er jedoch zwei bis drei Jahre lang die passende Illustration für eine Bildidee. Die Realität erweist sich als Vision. Und die wirkt so hintergründig, dass sich die entscheidende Wahrnehmung erst im Kopf des Betrachters abspielt.

"Woher komme ich, wer bin ich, wohin gehe ich?", fragt er in einem Zyklus voller gespenstisch anmutender Augenblicke der Wahrheit. Zu sehen sind ein schwarzer Gibbon, ein brasilianischer Transvestit und eine Kokshalde in Bottrop - eine Mondlandschaft. Menschenleer wirken Kaspers Stadtlandschaften: der Tunnelblick in eine U-Bahn-Station in Brooklyn oder die riesige Betonmauer einer Baustelle.

Als erster Fotograf seit 15 Jahren durfte Kaspers 2007 die New Yorker Börse ablichten. Das hektische Treiben wirkt durch lange Belichtungszeiten wie ein Stück geronnener Zeit. Zu den schönsten Großformaten zählt eine nächtliche Aufnahme der Düsseldorfer Kirmes am Rheinufer: grell illuminierter Trubel inmitten einer in Finsternis getauchten Stadt. Auch in dieser Vision prallen Lebens erweist sich Kaspers als genauer Beobachter mit Gespür für Hintergründiges.

Städtisches Museum Gelsenkirchen: "1 von 5", Horster Straße 5-7, bis 30.3., Di-So 11 bis 18 Uhr, Katalog 15 Euro.