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Ja zu Donald Duck - aber mit Würde

OBERHAUSEN Geht das, Donald Duck im Museum? Oder Tim und Struppi? Oder die besten Cartoons aus dem Playboy? Das geht – aber nur in der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen. Und zwar in den Ausstellungen von Bernhard Mensch und Peter Pachnicke, die am Freitag in den Ruhestand gegangen sind.

von Von Bettina Jäger

, 29.02.2008
Ja zu Donald Duck - aber mit Würde

Peter Pachnicke (l.) und Bernhard Mensch gehen in den Ruhestand. Am Freitag war ihr letzter Arbeitstag.

Seit 1993 arbeitete das Duo nach einem ungewöhnlichen Konzept. „High and low“ hieß es und meinte die hohe und die vermeintlich „niedrige“ Kunst. Also zum Beispiel Comics, Karikaturen oder die wundervollen Harry Potter-Illustrationen von Sabine Wilharm. „Für mich gibt es in allen Bereichen Meisterwerke“, sagt Peter Pachnicke – ein gebürtiger Dresdner, der vor Intellekt sprüht. „Wichtig ist nur, alles mit der gleichen Würde zu behandeln.“

So pflegte er auch auf der zweiten Schiene, den Ausstellungen aus der Sammlung Ludwig, die Kunst der erhellenden Kombination, den Dialog der Kulturen und Zeiten, stellte einen antiken Götterkopf neben eine Christusdarstellung und ein Pop-Art-Werk von Claes Oldenburg. Ein inspiriertes Konzept, das 50 000 Besucher jährlich anlockt.

Haus der DDR-Kunst

Das heutige „Museum auf Zeit“ hat eine Geschichte, die so bewegt ist wie die der Bundesrepublik. Als Bernhard Mensch die Leitung der „Städtischen Galerie“ vor 27 Jahren übernahm, lag das Schloss im Dornröschenschlaf. Vernachlässigt, das barocke Rund verschandelt von Garagen. Er habe das Gebäude gleich als Haus für Wechselausstellungen gesehen, denn so etwas gab es im Revier nicht: „Da wollte ich eine Lücke füllen.“

1983 kam Peter Ludwig

1983 landete Mensch den größten Coup. Sammler Peter Ludwig errichtete in Oberhausen das „Ludwig Institut der Kunst der DDR“. Gemälde von Heisig, Tübke oder Mattheuers „Jahrhundertschritt“ waren im Schloss zu sehen. Doch ebenso wie diese berühmte Skulptur ging auch die Zeit voran. Als 1989 rund 30 DDR-Künstler in Oberhausen tagten, wurde es überdeutlich. „Das haben die Künstler als Ghetto empfunden“, erinnert sich Pachnicke. In Absprache mit Peter Ludwig wanderte die DDR-Kunst in die Ludwig-Museen auf der ganzen Welt, die Stiftung unterstützte fortan das neue Konzept. „Wir haben aus einem Ghetto der DDR-Kunst ein weltoffenes Haus gemacht“, so Pachnicke. Dazu gehörte 1998 der Umbau mit Glasfoyer. Foto-Ausstellungen zur IBA Emscher Park prägten das neue Bild des Ruhrgebiets.

Am 7. März kommt Manfred Deix

Auf die Manfred Deix-Schau, die am 7. März eröffnet, freut sich das Duo noch. Dann gehen beide getrennte Wege: Peter Pachnicke nach Berlin, Bernhard Mensch zieht um nach Freiburg. Stolz sind sie darauf, dass Nachfolgerin Christine Vogt (40) ihr Konzept fortführen will. Alles andere wäre ja auch schade.