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Kriegswerke von Messiaen beim Klavier-Festival

DORTMUND Eine umfangreiche, fünftägige Werkschau wird es zum 100. Geburtstag des Komponisten Olivier Messiaen am 10. Dezember im Dortmunder Konzerthaus noch geben. Der Abend des Klavierfestivals Ruhr am Dienstag in Dortmund war darauf ein spannender Vorgeschmack.

von Von Julia Gaß

, 04.06.2008
Kriegswerke von Messiaen beim Klavier-Festival

Cellist Nicolas Altstaedt ließ beim Dortmunder Konzert die leisen Klänge im Raum schweben.

Zumal man das "Quartett auf das Ende der Zeit", eine der wichtigsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts, am 15. Dezember mit den "Jungen Wilden" des Konzerthauses wieder hört (Karten gibt es ab 15. Juni).

Der Ausdruck des Quartetts ist so erschütternd wie seine Entstehungsgeschichte: Messiaen komponierte es als Kriegsgefangener in Görlitz, führte es 1941 mit Mitgefangenen vor 5000 Häftlingen auf. Den tief gläubigen und ewigen Frieden visionierenden Charakter des Werks machten Pavel Gililov (Klavier), Mate Bekavac (Klarinette), Andrej Bielow (Violine) und Nicolas Altstaedt (Cello) mit überirdischen schönen, entrückten Klängen deutlich. Hauchzart spielten Streicher und Klarinettist die Solo-Vokalisen des Engels, der Vögel und die Himmelfahrt Jesu am Schluss in der Geige. Höllisch schwer ist es, die leisen Klänge so nackt im Raum schweben zu lassen. Eindringlich gelang das den Musikern, vor allem Cellist Nicolas Altstaedt. 

 

Messiaen, dem Religiösen, dem Vogelkundler, dem Komponisten, der Sehnsucht nach paradiesischen Klängen hatte, und dem Rhythmiker begegnete das Publikum im ersten großen Klavierzyklus des Franzosen, den "Visions de l'Amen" für zwei Klaviere. 1943, kurz nach der Rückkehr aus dem deutschen Strafgefangenenlager, komponierte er die Variationen über das Wort Amen. Oleg Poliansky und Pavel Gililov stellten die spirituelle Ruhe und Klangverflechtungen mehr in den Vordergrund als die zum Teil orgiastischen Rhythmen. In vielen Farben chargierend war ihre Interpretation, zum Schluss sehr dicht und fast sinfonisch. Der Klangsinn der Pianisten war noch imposanter als ihre virtuose Souveränität.