Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Kulturelles Elend an Schulen

GELSENKIRCHEN Bernd Schindowski vom Gelsenkirchener Musiktheater im Revier gilt in Deutschland als einziger Ballettchef, der sich seit Jahrzehnten um junge Menschen bemüht. Gerade wurde er mit dem Kulturpreis NRW-Ticket ausgezeichnet. Bernd Aulich sprach mit ihm über seine Jugendarbeit.

Kulturelles Elend an Schulen

Bernd Schindowski ist für seine Jugendarbeit mit dem Kulturpreis NRW ausgezeichnet worden.

Herr Schindowski, warum ist es so wichtig, die Jugend an die Bühne heranzuführen?

Schindowski: Es ist wichtig, die Jugend überhaupt an Kultur heranzuführen. Das stellen wir nach den Produktionen in Gesprächen mit Lehrern fest. Sie berichten, dass sich Schüler nach ihrer Teilnahme spürbar verändert haben in ihrem Denken, ihrer Disziplin, ihrer Offenheit. Das finde ich sehr wichtig.

Die Jugendlichen, die mitmachen, haben doch zum größten Teil zuvor noch nie ein Theater besucht?

Schindowski: Das gilt für fast alle. Wir sehen sie anschließend ab und zu in unseren Ballettabenden.

Jugendliche, die in der Schule schlecht abschnitten, sind bei Ihnen aufgetaut. Was passiert da?

Schindowski: Das hat etwas mit dem Erfolgserlebnis dieser Arbeit zu tun. Sie lernen, dass sie sich richtig konzentrieren müssen bei den Proben. Sie lernen etwas für ihr Leben, nämlich Disziplin und die Fähigkeit, miteinander zu reden und zuzuhören. Zuhören können viele heute kaum mehr.

Auffallend hoch ist der Anteil ausländischer Jugendlicher. Ist das beabsichtigt?

Schindowski: Nein, wir steuern das überhaupt nicht. Wir versuchen, jede Gruppe einzubinden, die sich bei uns meldet und einen Beitrag zum Thema liefern kann.

Die Themen werden durch Sie vorgegeben?

Schindowski: Der eine oder andere Anstoß ist schon mal von Schülern gekommen. Aber wenn sie etwas vorschlagen, ist es meistens zu eng eingegrenzt. Wir geben deshalb Themen vor, die nicht zu eng, sondern vielseitig interpretierbar sind.

Kinderballette bieten Sie schon an, seit Sie in Gelsenkirchen arbeiten. Was gab vor zehn Jahren den Anstoß zur Jugendreihe "Heavy Music - Cool Love"?

Schindowski: Meine Ballette für Kinder waren didaktisch. Da wurde das Orchester oder die Entstehung des Tanzes erklärt. Aber wenn man anfängt, Geschichten zu erzählen, muss man sich Gedanken darüber machen, ob man etwas für junge Besucher vor der Pubertät oder nach der Pubertät erzählt. Das sind ganz andere Themen.

Merken Sie, dass an den Schulen kaum noch musischer Unterricht stattfindet?

Schindowski: Auf jeden Fall. Bundestagspräsident Lammert hat völlig recht, wenn er den elenden Zustand kultureller Bildung an den Schulen beklagt. Das erleben wir auch, wenn wir in die Schulen gehen, vor allem an den Gesamtschulen. Ich bin enttäuscht darüber, dass die Schulpolitik das jahrzehntelang negiert hat. Es gibt leider nicht viele Schulleiter, die unsere Arbeit unterstützen.

Was passiert mit dem Preisgeld?

Schindowski: Ich habe die Zusicherung des neuen Intendanten Michael Schulz, dass die 8000 Euro für künftige Produktionen eingesetzt werden. Dieser Preis ist aber auch eine ganz große Anerkennung für uns. Vielleicht sehen meine Kollegen, dass eine solche Arbeit auch das eigene Image verbessert.

Steht schon das nächste Thema für 2009 fest?

Schindowski: Es lautet "Going West". Es geht um Aufbruch und Veränderung und um die Frage, wohin wir uns gesellschaftlich entwickeln.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Berlin Preise zum Weglaufen: Der rumänische Beitrag „Touch Me Not“ gewinnt auf der Berlinale den Goldenen Bären. Ein halbdokumentarischer Film über Intimität und Sexualität, der die Zuschauer in Scharen aus dem Kino trieb. mehr...

Helge Schneider mit „Ene Mene Mopel“ in Dortmund

Helge, seine Oma aus Duisburg und Steppschuhe im Flügel

Dortmund Ein Taktstock und Steppschuhe liegen im Flügel und Louis Armstrongs Nebelmaschine steht darunter. Helge Schneiders verrückt-grandioser Abend im Konzerthaus Dortmund.mehr...

Berlin Mit einem bezaubernden Supermarkt-Märchen aus der ostdeutschen Provinz geht der Wettbewerb der Berlinale zu Ende. Am Schluss gab es ein paar Humor-Höhepunkte. Aber wer bekommt den Bären?mehr...

„Romeo und Julia“ in Gelsenkirchen

Familienfehde gibt der Liebe keine Chance

Gelsenkirchen Bridget Breiner hat „Romeo und Julia“ in Gelsenkirchen toll choreografiert. Weiße Tücher ziehen sich wie ein roter Faden durch das Stück.mehr...