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Lady geht auf Tuchfühlung mit den edlen Wilden

„Die Frau, die vorausgeht“ im Kino

Jessica Chastain kommt in „Die Frau, die vorausgeht“ den Sioux-Indianern nahe. Aber Häuptling Sitting Bull ist ja auch zu schön, um wahr zu sein.

von Kai-Uwe Brinkmann

, 06.07.2018
Lady geht auf Tuchfühlung mit den edlen Wilden

Catherine Weldon (Jessica Chastain) trifft Sitting Bull (Michael Greyeyes) und lernt ihn schätzen. © Richard Foreman, Jr./Tobis Film

Haben Frauen einen anderen Blick auf den wilden Westen als männliche Regie-Kollegen? Weniger an Action und Gloria interessiert? Kelly Reichhardts „Auf dem Weg nach Oregon“ war ein Denkmal für zähe Pionier-Ladies, Susanna White räumt auf mit der Mär vom brutalen Indianer: „Die Frau, die vorausgeht“ ist ein Film, der die Ehrenrettung des roten Mannes betreibt.

Es geht nicht ohne Klischees

Nicht frei von romantischen Klischees beschwört White das Bild vom edlen, stolzen Wilden, der unter die Knute der Weißen gerät und vor die Hunde geht. Wir schreiben das Jahr 1890, als die New Yorker Malerin Catherine Weldon (Jessica Chastain) in den Westen reist, um Häuptling Sitting Bull (Michael Greyeyes) zu porträtieren. Der Mann ist eine Legende. 14 Jahre zuvor haben die Sioux und andere Stämme Custers Kavallerie ausgelöscht, das letzte Hurra für die Indianer.

Der Häuptling als Bauer

Weldon trifft einen Sitting Bull, der auf dem Land seiner Ahnen zum Kartoffelbauern wurde. Die Freiheit seines Volkes ist Geschichte, die Büffel sind abgeschlachtet, die Sioux leben von Almosen der Regierung. Und diese schmalen Rationen werden ihnen gekürzt, weil man sie gefügig machen will, ihr Land abzutreten.

Vom Indianer-Agenten (Ciarán Hinds) gegängelt, von einem Colonel (Sam Rockwell) schikaniert, fristen die Sioux ein Dasein ohne Würde. Die Malerin ist entsetzt. Der Film zeigt Weldon als frühe Menschenrechtsaktivistin, die den Widerstand gegen den geplanten Landraub mobilisiert.

Ein geistiges Band

Michael Greyeyes ist zu jung und zu schön für die Rolle des Sitting Bull, was die Möglichkeit einer Affäre mit der Malerin in den Raum stellt. Es ist aber ein geistiges Band, das dieses Duo verbindet. Beide wollen ihre Fesseln sprengen. Emanzipatorische und psychologische Töne prägen den Film, der zum Melodram tendiert und sich auf seine (guten) Darsteller verlassen kann. Die Kamera hat Gespür für Landschaften und poetische Stimmungen, fängt aber auch viel indianische Seele ein. Sehenswert.