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Liebe, mal todlangweilig

DORTMUND Wenn das, was Clori, Armida, Agrippina und Lukretia in Christians Baiers Collage aus Händel-Kantaten auf die Bühne bringen, Liebesraserei ("delirio amoroso") ist, möchte man kein Mann sein. Zuschauerin aber auch nicht.

von Von Julia Gaß

, 01.06.2008
Liebe, mal todlangweilig

Clori (Julia Novikova) trauert um Tirsi. Das Ballett ist in der engen Holzkiste ein schwarze Masse.

Sie keifen sich als Furien durch Koloraturen, singen teilnahmslos von bedrohlichen Winden und Wellen, die mehr nach lauem Lüftchen klingen, panschen mit Theaterblut und Mehl, dass es zumindest nach Drama aussieht. Mehr Delirium als amoroso war der Versuch, die vier Frauenfiguren und das Ballett zu Musik von Händel in einer dramatischen Fassung auf der Bühne des Dortmunder Opernhauses zu vereinen. Dramatisch war da am Freitagabend nichts - in den zum Glück nur 75 Minuten musste man aufpassen, keine Kiefersperre vor lauter Gähnen zu bekommen.

Regisseur Sebastian Hirn und der Dortmunder Ballettchef Xin Peng Wang stecken Tänzer und Sängerinnen in einen engen Holzkasten (Bühne: Franz Gronemeyer). Zum Tanzen ist da kaum Platz, immerhin darf das Ballett zwei Mal an den Wänden emporklettern. Ein Loch in den Etat hat dieses Bühnenbild nicht gerissen.

Sommerbademode

Erstklassig musizierte und gesungene Barockmusik hätte zumindest etwas fürs Ohr bieten können, nachdem Regie schon kaum stattfand und auf eine Nummernfolge der Auftritte der vier wahnsinnigen Frauen und einige handverlesene schöne Tanzszenen beschränkt war. Das Ballett, stand oder saß viel herum und durfte auch Sommerbademode ausführen.

Julia Novikova und Lydia Skourides die (hier sehr teilnahmslose) Clori und die fast lächerlich gemachte Armida abzunehmen, fiel schon sehr schwer. Aleksandra Zamojska hatte als Agrippina zumindest eine kraftvolle Bühnenpräsenz als Furie. Nach einer Stunde kam dann endlich mit Maria Hilmes als Lukretia Stimme und Ausdruck auf die Bühne - auch wenn sie vornehmlich im Lamento anrührte.

Auch die Dortmunder Philharmoniker im Graben glänzten nicht als Barockexperten - da nutzte auch die Händelperücke von Opernchorchef Granville Walker am Pult in der Ouvertüre nichts.

Sicht versperrt

Da saß das Ballett, das später zur schwarzen Masse (Kostüme: Monika Staykova) wurde, auch noch mit Perücken und Reifröcken im Parkett, aß Popcorn, trank Limonade und versperrte die Sicht. Platz genug, auf Nachbarsitze, auszuweichen, war bei der Premiere.