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„Macbeth“ im Bochumer Schauspielhaus

BOCHUM Schon der erste Blick auf Macbeth zeigt: Hier liegt ein Mensch am Boden, klebt Blut, klebt Schuld an seinen Händen.

von Von Ronny von Wangenheim

, 08.06.2008
„Macbeth“ im Bochumer Schauspielhaus

Noch ist der Königsmord nur Vorstellung, noch ist Banquo (Oliver Möller, l.) ein treuer Freund, doch an den Armen von Macbeth (Martin Rentzsch) klebt schon Blut.

100 intensive Minuten dauert es im Bochumer Schauspielhaus, bis Macbeth stirbt. 100 Minuten, in denen sein Leben, getrieben von der Vorstellungskraft, zum Alptraum wird. Die Regisseurin Lisa Nielebock interessiert weniger das unaufhörliche Morden, als das Seelenleben Macbeths. Martin Rentzsch spielt eindrucksvoll diesen Krieger, dessen Leben sich mit den prophetischen Einflüsterungen der drei Hexen ändert. Der mit der Ermordung des Königs Duncan (ein Altrocker mit langen Haaren: Klaus Weiss) endgültig eine Grenze überschreitet, die bis dahin die Grausamkeit, aber auch den Wahnsinn zurück hielt. Der hofft, mit jedem neuen Mord diesen ersten entkräften zu können.

Einen starken Auftritt hat auch Lena Schwarz. Als Lady Macbeth treibt sie ihren Mann zu diesem Mord, gibt sich verführerisch, cool, brutal, verzweifelt. Sie ist die Starke in dieser seltsamen Beziehung und wird doch zerbrechen. Nichts lenkt ab von diesen Menschen. Lisa Nielebock hat Shakespeares Drama aufs Wesentliche reduziert, alle Nebenfiguren beispielsweise zu „einem Nichts“ (Agnes Riegl) zusammen gefasst, das unentwegt umher huscht und für die wenigen komischen Momente des Abends sorgt. Die Bühne von Kathrin Schlecht ist leer bis auf vier riesige Metalltürme, zugleich Türen und Klettergerüst, und vier Stühle, mit denen Macbeth irgendwann Schweiß überströmt kämpft. In rotes Licht getaucht wird die Bühne zum Schauplatz des Mordes, später, wenn Macbeths Leben aus den Fugen gerät, hebt und senkt sich der Boden, gibt Blicke in Abgründe frei. Dazu kommt Musik von den Einstürzenden Neubauten (Sehnsucht ist die einzige Energie).

Das alles ist effektvoll und verstärkt noch das intensive Spiel des Ensembles. Allzu große Lautstärke, die beispielsweise beim Auftritt der drei Hexen, die im Zuschauerraum sitzen (in langen schwarzen Mänteln: Manuela Alphons, Jele Brückner und Veronika Nickl) zu Unverständlichkeit führt, bräuchte es dagegen nicht.