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Mär von Sweeney Todd

HAGEN Gleich das erste Bild atmet Atmosphäre pur: Spukig düsteres Georgel, fahles Nebelblau, darin eine Prozession schemenhafter Gestalten mit Laternen. In blutroten Lettern prangt ein Name auf dem transparenten Vorhang: Sweeney Todd.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 17.02.2008
Mär von Sweeney Todd

Marilyn Bennett als Mrs. Lovett und Frank Dolphin Wong als Sweeney Todd im Hagener Musical.

Prächtige Stimmungsmalerei in der Hagener Inszenierung des Schauer-Musicals von Stephen Sondheim. Es wurde ein rauschender Premierenabend. Bestnoten für Nils Coopers Regie, für Ausstattung und Darsteller und das fein temperierte Philharmonische Orchester unter Steffen Müller-Gabriel. Frank Dolphin Wong singt und spielt Sweeney Todd, den Halsabschneider mit dem Rasiermesser. Volumen in der Stimme, klare Artikulation, große Präsenz.

Der Chor skizziert die Handlung des Stückes: „Hört die Mär von Sweeney Todd, er war der lebende Rachegott!“ Der Stoff geht zurück auf eine englische Legende um einen mörderischen Barbier, dessen Opfer zu Pasteten werden. Dazu ein Rachemotiv wie beim „Grafen von Monte Christo“: Weil ein Richter (wie Dickens' Scrooge: Tomas Möwes) die Frau eines Barbiers begehrt, schickt der Schuft ihren unschuldigen Mann in die Verbannung. Der kehrt zurück, ändert seinen Namen in Todd und rupft mit dem Richter ein Hühnchen. Die Klinge ist sein bester Freund.

Zwischen Komik und Grusel

Erfrischend, wie die Inszenierung zwischen Komik und „Grand Guignol“-Grusel balanciert. Als der Plan aufkommt, Leute durch den Fleischwolf zu drehen, spekulieren Todd und die Bäckerin (herrlich: Marilyn Bennett) über den Geschmack: Totengräber haben eine schlechte Leber. Ein Prälat? Zu fad. Kommt vom Zölibat.

Todds erstes Opfer ist der Stutzer Pirelli, aufgemacht als Moshammers Wiedergänger. Schöne Idee. Später wird abgemurkst, wer kommt. London hat immer Hunger...

Pfiffige Lösungen

Bühnenbild und Lichtsetzung finden elegant pfiffige Lösungen. Vor Backsteinwänden rollen Bühnenarbeiter im Kostüm einen Würfel herein: Unten Wirtschaft, oben Rasiersalon. Rot glüht der mobile Backofen und lässt an Hänsel und Gretel denken.

Zweieinhalb Stunden hat die Aufführung und gefällt jede Minute. Der Weg nach Hagen lohnt sich.  

Karten: Tel. (0 23 31) 207 32 18.