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Mit 80 noch ein Händchen für Jazz

ESSEN Er ist die Vaterfigur der kreativen französischen Jazzszene. Seit Beginn der 50er Jahre gehört Martial Solal zu den größten Jazzpianisten. Auch mit 80 Jahren hat er nichts von seiner Tastenkunst eingebüßt, ist aber in Deutschland nur noch selten zu erleben.

von Von Klaus Lipinski

, 05.02.2008
Mit 80 noch ein Händchen für Jazz

Noch immer ein Tastenkünstler: Martial Solal.

 In der Essener Philharmonie spielte er zusammen mit der Big-Band des Hessischen Rundfunks unter Leitung von Jörg Achim Keller ein Programm, das Musik von Duke Ellington mit Solals eigenen Kompositionen kombinierte.

Wer dabei befürchtete, Solal würde passend zu Karneval in eine Rolle schlüpfen, konnte beruhigt zuhören. Im ersten Teil des Konzertes spielte die Big-Band ohne ihn Ellingtons Musik zum Film "Paris Blues", im zweiten Teil ging es nur noch um Solal und seine eigene Musik.

Immer etwas Neues

Einerseits hat der 1927 in Algier geborene Musiker die komplette Entwicklung des modernen Jazz in Paris aus der Nähe miterlebt. Andererseits hat er immer seinen ganz typischen eigenen Stil kreiert. So mischen sich Monk, Powell, Ellington und Tatum mit Klassik des 20. Jahrhunderts zu Klängen, hinter denen man sehr schnell die charismatische Persönlichkeit Solals erkennt.

Nicht zuletzt, weil er an seinem Instrument zu den versiertesten Technikern gehört. Meist befreit er die linke Hand von der Akkordfunktion, wertet sie durch Linien mit thematischem Bezug auf. In der Harmonik sucht er eher den Weg in die Dissonanz als die Auflösung. Diese polyphone Struktur wirkte sich auch auf das Arrangement der Bläser aus, auch sie standen oft im frei verlaufenden Dialog. Sei es klanglich oder im Gesamtkonzept, Solal fällt immer etwas Neues ein, bevor man es erwartet.

Die erste Hälfte zeigte, dass Duke Ellingtons farbige Arrangements ganz sicher zur bleibenden Musik des 20. Jahrhunderts gehören. Sie wirkten aber trotz einer sehr guten Big-Band und trotz so glänzender Solisten wie Tony Lakatos etwas brav nachgespielt.