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Nur Mord tötet die Liebe

DORTMUND Seit gut 100 Jahren hat die Theaterpraxis "Cavalleria rusticana" und den "Bajazzo" zusammen geschweißt. Der Ehebruch mit tödlichem Ausgang verbindet die Opernzwillinge, die Dortmunder Opernintendantin Christine Mielitz stellt aber mehr die Gegensätze der beiden Verismo-Werke heraus.

von Von Julia Gaß

, 03.02.2008

Sowohl Leoncavallo als auch Mascagni geht es um die Darstellung großer Gefühle: Hass, Eifersucht, enttäuschte Liebe, Sehnsucht, Rache und Mord. In beiden Opern nimmt ein gehörnter Ehemann Rache am Nebenbuhler; in der "Cavalleria" ist der Kampf am Schluss ein Gesellschafts-Ritual, im "Bajazzo" (in Dortmund: "I Pagliacci") die Affekthandlung eines Einzelnen.

Die "Cavalleria", die Ostern spielt, ist von engem Dorfleben und kirchlicher Moral geprägt, der "Bajazzo" zeigt pralles, buntes, Leben, in dem Schein und Sein verschmelzen. Dorothee Schumacher hat gut 100 prächtige Kostüme für das große Aufgebot von Opern-, Kinderchor und Statisterie entworfen.

 

Mielitz zeigt diese Kontraste eindrucksvoll und vom Premierenpublikum Samstag sehr gefeiert. Die schiefe Spielfläche, die die Bühne (Harald Thor) dominiert, kennen wir schon aus einigen Inszenierungen. Sie ist bei Mascagni der Platz vor einer Kirche, könnte auch ein Altarraum sein, in dem die Liebe geopfert wird. Bei Leoncavallo ist sie eine Gaudi-Arena für die Commedia dell' Arte-Truppe. In beiden Opern ist sie ein Platz, in dem die Figuren gefangen sind in ihrer Umwelt und ihren Gefühlen.

Differenzierte Regie

Mit einer differenzierten Personenregie führt Mielitz die Figuren durch die Dramen. In der "Cavalleria" hat das noch mehr Kraft, Eindringlichkeit, Dichte und Konzentration als im filigraneren Spiel des feiner ziselierten "Bajazzo". Eine klare Schwarz-weiß-Ästhetik hat der Mascagni-Einakter. Bunt und temperamentvoll ist Leoncavallos Zweiakter - eine Gaudi mit tödlichem Ernst und netten Spielereien.

Musikalisch ist die kleine "Cavalleria" große Oper und Valérie Suty eine fantastische Santuzza mit vielen Farben zwischen Neid, Eifersucht und großem Liebesgefühl in der Stimme. Auch darstellerisch war sie als Frau am Rande des Liebes-Wahnsinns die überragende Solistin. Charles Kim war ihr Turiddu, der ins italienische Fach immer besser hineinwächst, Simon Neal ein Alfio mit schurkischem Bariton, Maria Hilmes eine Glamour-Lola.

Im "Bajazzo" fand Sylvia Koke feine Versimo-Töne für die Colombina bzw. Nedda, Aris Argiris war als Silvio glänzend besetzt und Stefan Vinke eine Titelfigur, die in der berühmten "Lache, Bajazzo"-Arie größte stimmliche Ausstrahlung hatte.

Unter Ekhart Wycik ließen die Dortmunder Philharmoniker Mascagnis Belcanto aufblühen. Die farbigeren Leitmotive und Orchestereffekte von Leoncavallo kann man noch delikater herausspielen.  

Termine: 8., 17. und 27.2., 8.3., 3., 11., 17.4. Karten: Tel. (02 31) 5 02 72 22.