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Steife Moritat von der Puppenbühne

"Sweeney Todd" - ein Grusical wie gemacht für Tim Burton, als habe er es in Auftrag gegeben.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 17.02.2008
Steife Moritat von der Puppenbühne

Filmszene mit Sweeney Todd (Johnny Depp) und Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter).

Die Zeit: viktorianisches England. Das Milieu wie in Dickens' "Oliver Twist". Nebelgraues London, in dem auch "Jack the Ripper" unterwegs sein könnte. Und eine "Gothic"-Horror-Story von Mord und Menschenfresserei, die ganz nach dem Gusto des Meisters des Morbiden sein dürfte.

Die Kamera fährt durch dunkle Gassen: Über allem das Zwielicht der blauen Stunde. In der ekelhaftesten Kakerlakenküche von London wirtschaftet Mrs. Lovett, gespielt von der mondbleichen Helena Bonham Carter. Hinreißend ätherisch wie so oft.

Burtons Lieblingsdarsteller Johnny Depp spielt Sweeney Todd, den Teufel aus der Fleet Street. Über dem Laden der Lovett eröffnet er seinen Salon. Eigentlich will er nur den Hals des Schweinehundes Turpin, der ihm Frau, Kind und Leben gestohlen hat. Im galoppierenden Wahn wird er zum Serienmörder.

Schockmomente

Der Witz, der in Sondheims Musical steckt, ist vom Drehbuch stark eliminiert. Gekürzt auf etwa zwei Stunden, forciert der Film die Schockmomente. In Großaufnahme schmatzt Todds Messer, sprudelt das Blut. Sehr komisch aber der Auftritt von Sacha Baron Cohen ("Borat") als öliger Geck mit Italo-Akzent. Großartig auch Alan Rickman (Rihter Turpin) und Timothy Spall als Turpins feister Handlanger.

So gut die Besetzung, so malerisch die Kulissen von Dante Ferretti - emotional kriegt man keinen Draht zu den Akteuren. Mechanisch spult sich die Geschichte ab, bleibt eine steife Moritat von der Puppenbühne. Depp und Co. singen passabel, die Hollywood-Einspielung der Musik klingt nach Kitsch. Da macht die Hagener Version entschieden mehr Spaß.