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Sympathie für den Teufel

BERLIN Die letzten Takte der Rolling Stones klingen einem am ersten Wettbewerbstag der 58. Berlinale noch im Ohr, die Akkorde von „Sympathy for the Devil“, während die nächsten Musik-Filme bereits vorausklingen.

von Von Patrick Wildermann

, 08.02.2008
Sympathie für den Teufel

Daniel Day-Lewis findet Öl in „There Will Be Blood“.

Madonna kommt noch, Patti Smith und Neil Young sind schon in der Stadt. Man muss daran denken, wie erstaunlich gut informiert Mick Jagger zur Eröffnung über das Festivalprogramm war – der Ober-Rolling-Stone wusste sogar, dass in einer Nebenreihe der Film „Heavy Metal in Bagdad“ auf dem Programm steht, eine Dokumentation, die von der einzigen Heavy-Metal-Band des Irak erzählt. Musik, soviel steht fest, ist während einer Berlinale nie nur Entertainment. Schon immer hat das Festival einen politischen Anspruch gehabt. Und in diesem Jahr, wo der große Polit-Regisseur Costa-Gavras die Präsidentschaft der Jury innehält – die ja kurzfristig den Ausfall von Regisseurin Susanne Bier und Schauspielerin Sandrine Bonnarie verkraften muss –, erwartet man besonders, dass ein Film von Brisanz gewinnt.

Drama atmet Geist großer Western

Mit Spannung wurde hier einer der ersten Beitrage erwartet, der jüngste Film von Paul Thomas Anderson, „There Will Be Blood“ benannt und als Oscar-Favorit gehandelt. Es ist ein Epos über Aufstieg und Fall eines einzelgängerischen Goldgräbers, der durch eigener Hände Arbeit zum Öl-Tycoon wird. Wobei er für das schwarze Gold über Leichen geht. Anderson, der mit seinem L.A.-Kaleidoskop „Magnolia“ vor ein paar Jahren den goldenen Bären gewinnen konnte, verfilmt hier den Roman „Oil!“ von Upton Sinclair aus dem Jahr 1927. Anderson erzählt auf der Pressekonferenz, dass er Sinclairs 500-Seiten-Roman reichlich zusammenstreichen musste. Aber destilliert hat er ein gewaltiges Drama, das den Geist großer Western atmet, das von den blutigen Gründungsmythen einer Nation erzählt. In der Hauptrolle brilliert Daniel Day-Lewis, dem der Ruf eines Besessenen vorauseilt, der aber in Berlin die Journalisten bat, alles zu vergessen, was sie je über ihn gelesen hätten. Gern! Man staunt nur, wie er diesen Öl-Pionier verkörpert, als Teufel, den man ins Herz schließt: Sympathy for the Devil... Deutscher Kinostart des Films ist der 14. Februar.