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Tote, Terroristen und ein tragischer Star im Wettbewerb

Berlinale

Bei der Berlinale gingen „Utøya“ und ein Romy-Schneider-Film in den Wettbewerb.

Berlin

, 19.02.2018
Tote, Terroristen und ein tragischer Star im Wettbewerb

Marie Bäumer spielt Romy Schneider in „3 Tage in Quiberon“. Aber sie imitiert sie nicht.Foto: Rohfilm Factory/Prokino

Tote, Terroristen und ein tragischer Star: der Wettbewerb der Berlinale spitzt sich dramatisch zu. Dabei brilliert die Schauspielerin Marie Bäumer als Romy Schneider in Emily Atefs deutschem Beitrag „3 Tage in Quiberon“.

Gehören Geschichten nicht eigentlich nur denen, die sie erlebt haben? Ist es nicht eine Anmaßung, wenn Künstler die Deutungshoheit über die Historie an sich reißen? Fragen, die der Wettbewerb der Berlinale recht dringlich aufwirft. Mit drei Filmen, die sich realen Krisen und Extremsituationen widmen – privater und politischer Natur.

Der Film rekonstruiert das Attentat 2011 in Norwegen

„Utøya 22. Juli“ heißt der norwegische Beitrag von Regisseur Erik Poppe. Der rekonstruiert das Attentat vom 22. Juli 2011, in dessen Zuge der Rechtsextremist Anders Breivik über 70 Jugendliche ermordete, die an einem Sommercamp der norwegischen Arbeiterpartei teilnahmen. Mit rastloser Handkamera, scheinbar ohne Schnitt, stürzt sich der Spielfilm in das Chaos und die Todesangst, die jäh über die jungen Menschen kam.


Ein teils schwer erträglicher Film – aber konsequent in seinem Anliegen, radikal die Perspektive der Opfer einzunehmen. Um ihr Leben fürchten mussten auch die Passagiere einer Air-France-Maschine, die 1976 von deutschen und palästinensischen Terroristen nach Entebbe in Uganda entführt wurde, wo israelische Spezialkräfte eingriffen. Auch hier versucht Regisseur José Padilha – unter anderem mit Daniel Brühl als Linksextremist – eine Rekonstruktion der Historie. Allerdings kommt „7 Tage in Entebbe“ dabei über einen durchschnittlichen Actionfilm nicht hinaus. Zu Recht außer Konkurrenz gezeigt!


Romy Schneider in ihrem letzten Interview


Viel packender ist die Extremsituation, die Regisseurin Emily Atef schildert. Die Berliner Regisseurin mit französisch-iranischen Eltern erzählt in „3 Tage in Quiberon“ vom letzten Interview, das Romy Schneider 1981 dem „Stern“ gegeben hat. Der Weißwein floss in Strömen, die Schauspielerin, damals in einer ihrer vielen Lebenskrisen, öffnete sich noch den indiskretesten Fragen. Ein packendes Psychoduell, gedreht in betörender Schwarzweiß-Ästhetik – ähnlich den Fotos, die Robert Lebeck (Charlie Hübner) damals schoss.

Und Marie Bäumer? Die ist ja – ihres Aussehens wegen – immer wieder mit der berühmten Kollegin verglichen worden. „Ich selbst habe mich nie als Doppelgängerin von Romy gesehen“, sagt sie achselzuckend auf der Pressekonferenz der Berlinale. Sie macht ihre Sache fantastisch. Gerade weil sie nie versucht, die Schneider zu imitieren.