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Viele Tote in Texas

Der Oscar ist das bekannteste Gütesiegel Hollywoods. Heute läuft ein Film an, der am Wochenende gleich vier Stück der goldenen Auszeichnungen erhalten hat: "No Country For Old Men.

von Von Sascha Westphal

, 27.02.2008
Viele Tote in Texas

Javier Bardem hat für seine Rolle im Film „No Country For Old Men“ einen Oscar bekommen.

Die Welt ist schlecht, und in den letzten 20 Jahren immer schlechter geworden. Davon ist Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones) überzeugt. Und der Fall, mit dem sich der Sheriff einer texanischen Provinzstadt in Joel und Ethan Coens "No Country For Old Men" (Kein Land für alte Männer) herumschlagen muss, scheint seine Sichtweise zu bestätigen. Bell wird nicht nur mit einem Drogendeal konfrontiert, der in einem Massaker endete. Zudem muss er sich auch noch an die Fersen des Killers Anton Chirguh (Javier Bardem) heften. Chirguh wiederum ist hinter dem Vietnam-Veteranen Llewelyn Moss her, der durch Zufall in den Besitz des Drogengeldes gelangt ist.

Niemand wird die enorme Virtuosität und die atemberaubende Stilsicherheit bestreiten, mit der die Coen-Brüder ihre Filme in Szene setzen und für die sie nun gleich mit vier Oscars prämiert wurden. Aber hinter der äußeren Perfektion ihrer Arbeiten verbirgt sich ein kaltes Herz. Auch in dieser Verfilmung eines Romans von Cormac McCarthy berührt einen das Schicksal ihrer Figuren kaum.

"No Country For Old Men" gibt sich nicht so zynisch wie ihre Neo-Noir-Western "Blood Simple" und "Fargo", aber ganz haben sich die Brüder nicht von der selbstherrlichen Attitüde ihrer früheren Filme freimachen können.

Killer spielt Gott

Gerade in den Szenen, in denen Chirguh kaltblütig alle tötet, die sich ihm in den Weg stellen, verhalten sich die Coens fast genauso anmaßend wie der Killer, der meint, Gott spielen zu dürfen. Es ist, als ob sie selbst der verstörenden Aura Javier Bardems erlegen seien.

Und dann gibt es da doch noch einen Moment, der wirklich zu Herzen geht. Als Llewelyns Frau Carla Jean auf Chirguh trifft, ist ihr Schicksal besiegelt. Aber sie spielt sein krankes Spiel nicht mit. Ihr sind ihre Würde und ihre Integrität wichtiger als ihr Leben. Damit ist sie die einzige, die moralisch über den Killer triumphiert. Von der Zurückhaltung und der Bestimmtheit, die in dieser Szene Kelly MacDonalds Auftritt kennzeichnen, geht eine überwältigende Wirkung aus. Sie sind das Maß, an dem man fortan alle Arbeiten der Coens messen muss.