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Film „Nacht der Nächte“

Warum bleiben Paare ein Leben lang zusammen?

Paare, die ein Leben lang zusammen sind. „Die Nacht der Nächte“ ist eine rührend warmherzige Film-Doku über Menschen, die sich die Treue halten. 

Warum bleiben Paare ein Leben lang zusammen?

Kamala und Nagarajayya Hampana leben in Indien und sind seit 1961 glücklich verheiratet.Foto: Concorde

Die Scheidung ist heute gang und gäbe, jede zweite Ehe bei uns geht irgendwann in die Brüche. Was aber hat unsere Großeltern aneinander gekettet, dass sie nicht nur das verflixte siebte Jahr, sondern 20, 30, 50 Jahre verheiratet blieben?

Die Schwestern Samdereli haben nachgefragt

Am besten fragen wir die Langzeit-Paare selbst, dachten sich Yasemin und Nesrin Samdereli, Schwestern, deren Kinodebüt „Almanya – Willkommen in Deutschland“ von 2011 datiert. Sie streckten ihre Fühler nach alten Paaren aus, und fanden sie – im Ruhrgebiet, in Indien, Japan, Amerika. Die erzählen vor der Kamera aus ihrem Leben, von mindestens 50 gemeinsamen Jahren. Auch von ihrer allerersten „Nacht der Nächte“, was dem Film den Titel gab.

Warum bleiben Paare ein Leben lang zusammen?

Yasemin (l.) und Nesrin Samdereli stammen aus Dortmund. In der Essener Lichtburg haben sie ihren Film vorgestellt. Foto:Brinkmann

Es ist ein erstaunliches Kinostück. Obwohl er streckenweise nur redende Köpfe zeigt (aufgelockert durch Alltagsmomente und Knet-Animationen der Paare), unterhält der Film ganz wunderbar. Menschlich-Allzumenschliches ist ein toller Stoff, aus dem die Schwestern ein erzählerisches Patchwork schneidern. Jede Ehe hatte Höhen und Tiefen. Am Schneidetisch haben die Samderelis Episoden zwischen heiter und traurig so montiert, dass die Geschichten im Fluss bleiben, obwohl der Fokus von Indien nach Japan nach Amerika wechselt.

Arrangierte Ehen oder verschiedene Kasten

In Indien erzählt Hampana, wie er seine Kamala endlich zu einem Kinobesuch überreden konnte. Dann spielt er seine Annäherung im Kino nach, was ihm und ihr einen Lachanfall beschert, der auch uns das Herz hüpfen lässt. Wir leiden mit, wenn Kamala von ihrer Schwiegermutter erzählt: Ihr Mann entstammt einer höheren Kaste, seine Eltern drohten mit Selbstmord, würde er Kamala heiraten. Ätsch, er hat’s aber getan, ohne Selbstmord.

Dass es in Japan arrangierte Ehen gibt, ist nicht so bekannt. Shigeko und Isao Sugihar wurden 1951 verheiratet. Ausgerechnet bei den als reserviert bekannten Japanen blicken wir tief in Kummer und Unglück. Sie fühlte sich ausgebeutet, er bereut, kaltherzig gewesen zu sein. Verheiratet blieben sie.

Zwei Männer aus den USA

Norman und Bill bereuen nichts. Sie trafen sich in New York, wo auch sonst? Überall sonst in den USA hatten Männer, die Männer lieben, absolut heimlich zu tun, sagen sie. Wer hätte gedacht, dass sie mal heiraten würden?

„Ach ja, Liebe, Liebe?“ Heinz Rotthäuser spielt das Thema herunter, Liebe klingt ihm zu blumig, wenn es um die Ehe mit Hildegard geht, die seit 53 Jahren hält. Trotz Unterschieden. „Du kannst einen Menschen nicht umkrempeln“, hat Hildegard gelernt: „Die Zahnpasta bleibt auf.“ Die Sequenzen mit Knetfiguren waren nicht zwingend nötig, stören aber nicht, wenn sie Gesagtes zwinkernd oder sinnbildlich illustrieren: Bevor schwule Männer heiraten, friert die Hölle ein!

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