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Geiseldrama im Flugzeug nach Paris

Im Kino

„Sieben Tage in Entebbe“ ist ein Drama nah an den Fakten – und dabei handwerklich solide, lobt unser Kinokritiker.

Dortmund

, 03.05.2018
Geiseldrama im Flugzeug nach Paris

Wilfried Böse (Daniel Brühl) entführt mit Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike) ein Flugzeug. Foto: Entertainment One

Sieht man, wie die Entführer der Air France-Maschine Waffen aus dem Handgepäck kramen, wird einem schlagartig klar, wie sehr Geiselnahmen die Luftfahrt verändert haben. 1976 war es mit Kontrolle und Sicherheit nicht weit her, so konnten vier Entführer leicht den Flieger von Tel Aviv nach Paris kapern.

Befreiung aus israelischer Haft

Auftakt für ein Drama, das Regisseur José Padilha mit „Sieben Tage in Entebbe“ dicht an den Fakten nacherzählt. Daniel Brühl (gut) ist als Wilfried Böse zu sehen, Rosamund Pike als Brigitte Kuhlmann – die deutsche Hälfte des Hijacker-Quartetts, Mitglieder der „Revolutionären Zellen“, die sich mit Palästinensern verbündeten, um 50 von deren Landsleuten aus israelischer Haft zu befreien.

Landung in Uganda

Das Flugzeug landet in Uganda, wo Idi Amin zum heimlichen Komplizen der Entführer wurde, wie der Film ausführt. Drehbuchautor Gregory Burke hat recherchiert, was zu recherchieren war.

Was in Israels Kabinett gesprochen wurde zwischen Falken (Eddie Marsan spielt Simon Peres) und Tauben (Premier Yitzhak Rabin war Verhandlungen wohl nicht abgeneigt), ist einfacher zu rekonstruieren als das Innenleben von Wilfried Böse.

Dem gesteht José Padilha Gewissensbisse zu, selbst wenn Böse dabei war, als die Entführer Juden von anderen trennten und quasi „selektierten“. Dramaturgisch wechselt die Handlung zwischen Entebbe und Israel, wo das Militär die Befreiung plant.

Nüchternes Protokoll

Tag vier, Tag fünf, Tag sechs tickt die Uhr eines Thrillers. Aus Nervenkrieg wird Schießerei, als vier Hercules-Flieger in Entebbe landen. So bravourös die Aktion ablief – ein Heldenlied oder den Actionkracher hat Padilha nicht im Sinn.

Sein Film bleibt im Modus des nüchternen Protokolls, nur aufgebrochen durch die etwas erkünstelte Parallelmontage eines Ballettstücks, dessen fiebrige Musik auch die Rettung der Geiseln untermalt. Ein handwerklich solides Doku-Drama.