Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Ghirri-Schau ist ein Geheimtipp aus Italien

Folkwang-Museum Essen

Auf den ersten Blick wirken die Fotos von Luigi Ghirri im Essener Folkwang-Museum spröde. Schaut man genauer hin, entwickeln die 300 Motive eine seltsame Sogkraft.

Essen

, 03.05.2018
Ghirri-Schau ist ein Geheimtipp aus Italien

In der italienischen Lagunenstadt Orbetello fotografierte Luigi Ghirri 1974 dieses Palmen-Duo. Foto: Eredi Luigi Ghirri

Ebenso wie die Aufnahmen selbst wirkt auch der Titel der Ausstellung, nämlich „Luigi Ghirri. Karte und Gebiet. Fotografien der 1970er Jahre“, erst einmal störrisch. Trotzdem sollten sich Foto-Fans nicht abhalten lassen, die Schau im Folkwang-Museum zu besuchen.

Erste große Ausstellung außerhalb Italiens

Denn die 300 Bilder auf 800 Quadratmetern Fläche bilden die erste große Ausstellung, die Luigi Ghirri außerhalb seines Heimatlandes Italien gewidmet wird. Der Künstler war leider 1992 nach einer Herzattacke mit erst 49 Jahren gestorben.

Ghirri sei ein einzigartiger Künstler gewesen, sagte der britische Ausstellungskurator James Lingwood am Donnerstag: „Seine Arbeit war ein offenes Geheimnis. Er war nie wirklich berühmt, aber auch nicht unbekannt.“ Mit Foto-Ikonen wie Robert Frank und William Eggleston war Ghirri bekannt.

Thomas Demand ist ein Fan

Heute gehört der berühmte deutsche Künstler Thomas Demand zu seinen Bewunderern. Aber was macht Ghirris Bilder eigentlich so besonders?

Der gelernte Vermessungstechniker fotografierte seine Heimat stets in Serie und in Farbe, frontal und detailversessen. Die Reihe „Frühstück im Grünen“ zeigt Aspekte des Alltags in Modena, karge Ausschnitte der Wirklichkeit: Fenster mit geschlossenen Rolläden, Türen mit symmetrischem Blumenschmuck, eine Konifere im hässlichen Topf. Oder eine Rutsche im Sand. Bunte Werbeplakate hat Ghirri fotografiert – aber eben auch den Backstein, der darunter hervorbröselt.

Das ist so direkt und schnörkellos, dass viele Motive eine bemerkenswerte Zeitlosigkeit und Endgültigkeit erreichen. Es ist, als ob der Künstler die Wirklichkeit von allem Überflüssigen befreit, sie reduziert bis zu einer kompromisslos ehrlichen Essenz.

Ghirri bediente sich der „Sprache der Amateure“

So streift der Betrachter zunehmend fasziniert durch die 14 Kapitel der Schau, aus denen die Bilder für sein Buch „Kodachrome“ (1978) und jene herausstechen, die er im Themenpark „Italia in miniatura“ gemacht hat, der sich in Rimini befindet. Sie seien so oft da gewesen, erinnerte sich seine 27-jährige Tochter Adele bei der Pressekonferenz am Donnerstag.

In einer Zeit, in der ernsthafte Lichtbildner noch dem Schwarz-Weiß huldigten, griff Luigi Ghirri zum Farbfilm. Damals war das die „Sprache der Amateure“, so Lingwood. So tragen Ghirris oft orangetonige Bilder die typischen Farben ihrer Zeit. Ein Abgesang auf die 1970er-Jahre sind sie trotzdem nicht, sondern echte Klassiker.

Museum Folkwang Essen: „Luigi Ghirri“, Museumsplatz 1, 4.5.-22.7., Di/Mi/Sa/So 10-18, Do/Fr 10-20 Uhr, Eintritt 5 Euro, Katalog 45 Euro. Geöffnet Christi Himmelfahrt (10.5.), Pfingstmontag (20. 5.) und Fronleichnam (31.5.).