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Roadmovie mit Agnès Varda hat Charme

Neu im Kino

Agnès Varda, mit 90 Jahren wohl dienstälteste Regisseurin der Welt, und der Fotokünstler JR (33) haben eine Idee: Lass uns eine Reise machen und über Land fahren. Wir lernen uns besser kennen, treffen Leute, bleiben solange wir wollen und geben dem Zufall eine Chance. Gesagt, getan.

Dortmund

von Kai-Uwe Brinkmann

, 01.06.2018
Roadmovie mit Agnès Varda hat  Charme

Dort kleben wir eine Ziege hin: Agnès Varda (90) und Künstlerkollege JR (33) auf Frankreich-Tour. Foto: Ciné-Tamaris

In JRs Kleinbus, der ein rollendes Fotostudio ist, fährt das Duo durch Frankreich. Die Kamera ist ihr Begleiter, wenn sie eine Zechensiedlung besuchen, bei Dockarbeitern in Le Havre vorbeischauen, im Süden bei Ziegenzüchtern, Landwirten und in der Chemiefabrik Stopp machen. „Augenblicke: Gesichter einer Reise“ heißt das charmante Roadmovie (Regie: Varda und JR), das den Besuch der alten Dame dokumentiert.

Künstler hinterlassen Spuren

Natürlich gehen Künstler nicht einfach so auf Achse: JR (spezialisiert auf großformatige Bild-Installationen an öffentlichen Plätzen) und die Filmemacherin hinterlassen Spuren. Als Echo auf den Kontakt mit Leuten und Orten kleben sie Fotos von Ziegen, Fischen, Menschen auf Silos, Wände und Mauern.

Sie „adeln“ Bauern, Kellnerinnen, Arbeiter zu Kunstakteuren, sie bereichern kleine Dörfer um touristische Motive. Mit ihrer Neugier bringt Varda die Menschen zum Sprechen, fast könnte man sagen, sie bringe Frankreichs Seele zum Klingen.

Ein Mosaik aus Begegnungen

„Augenblicke“ wird zum Mosaik aus Begegnungen, Geschichten und Meditationen über Plätze im Dornröschenschlaf, die für eine Weile wachgeküsst werden, wenn „Streetart“ über die Dörfer tingelt.

Der Film hat Wärme und Humor, unaufdringliche, aber spürbare Poesie. Und er porträtiert zwei Künstlernaturen, die Oma und Enkel sein könnten, die sich necken und wunderbar verstehen. Da geht uns das Herz auf!