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Wenn Europa mit dem Stier...

DUISBURG Gleich drei Damen hatten die weibliche Hauptrolle bei der Premiere von Gaetano Donizettis "Liebestrank" an der Rheinoper in Duisburg.

von Von Klaus Stübler

, 11.02.2008
Wenn Europa mit dem Stier...

Operettenseligkeit vor barbusiger Schönheit bringt der „Liebestrank“ in Duisburg auf die Bühne.

Zunächst natürlich Sopranistin Netta Or als die kapriziöse Adina, die den Männern in dieser beliebten Buffooper den Kopf verdreht. Bravourös stand sie - trotz schwerer Erkältung - den langen ersten Akt durch! Als ihre Stimme es danach nicht weiter zuließ, mimte sie nur noch, während Zweitbesetzung Ekaterina Morozova vom Bühnenrand aus sang.

Und dann war da noch das während des gesamten Abends überdimensional über der Bühne thronende barbusige Model: eine coole moderne Europa (mit kleinem goldenem Stier in der Hand). - Ein doppelter Verfremdungseffekt.

Kitschiges Panorama

Denn ansonsten ist die neue Rheinopern-Produktion von Regisseur Andras Fricsay Kali Son eher operettenhaft - temporeich und witzig, in bonbonbunten Kostümen und vor kitschigem Miniatur-Alpenpanorama (Bühne: Tina Kitzing). Den einfältigen Bauernburschen Nemorino, der sich eine Flasche Rotwein als Liebestrank andrehen lässt, gestaltet Andrej Dunaev als den großen Sympathieträger des Abends: natürlich und mit ausnehmend schönem Tenor (langer Szenenapplaus nach der Paradearie "Una furtiva lagrima").

Karikatur

Das restliche Personal kommt aber auch als bloße Karikaturen daher: hier der Möchtegern-Superheld Belcore (Dmitri Vargin) mit seiner lächerlichen Kompanie, dort Giannetta (Nachwuchssängerin Iryna Vakula) mit dicken blonden Zöpfen inmitten der ansonsten weißhaarigen Weiblichkeit. Bruno Balmelli kostet die Komikerrolle des Quacksalbers Dulcamara mit großem Spielwitz aus, wenn er auch nicht immer hundertprozentig mit dem Tempo des Orchesters mithalten kann.

Gastdirigent Pierre-Dominique Ponnelle hält die Duisburger Philharmoniker zu einfühlsamer Begleitung an, lässt sie teilweise allerdings zu klangmächtig auftrumpfen. Das Publikum genoss die turbulente Aufführung und feierte alle Beteiligten mit großem Beifall. Termine: 15., 20., 23. und 27. 2., 1., 8.3. Karten: Tel. (02 03) 30 09-100.