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Wie ein Hallodri das russische Imperium in die Knie zwingt

Charlie Wilson, Abgeordneter: Whisky-Freund, Kokser und Frauenvernascher, der mit barbusigen „Models“ im Whirlpool hockt. Politik macht der Hallodri auch. So erfolgreich, dass man ihn feiert als den „Mann, der den Kalten Krieg beendet hat“.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 08.02.2008
Wie ein Hallodri das russische Imperium in die Knie zwingt

Julia Roberts spielt eine steinreiche Luxus-Blondine, die eine Allianz gegen die Russen schmiedet.

Mike Nichols‘ „Der Krieg des Charlie Wilson“ wählt die Tonart der satirischen Komödie, reklamiert aber, sich an Tatsachen zu halten. Und das wären folgende: Ein Dreiergespann – Armleuchter von Politiker, stinkreiche Luxusblondine und rüpelhafter Geheimagent – zwingt ein Imperium in die Knie: Geschlagen blasen die Russen zum Abzug aus Afghanistan.

Politbühne wird zur Seifenoper

Die Dame (Julia Roberts) hat Kontakte bis hin zum Präsidenten Pakistans. Der CIA-Mann (Philip Seymour Hoffman) ist ein brillanter Analytiker. Und Charlie Wilson (Tom Hanks) pumpt in Washington den Etat für die Gotteskrieger auf. Sein politisches Parkett ähnelt einem Marionetten-Theater, mit Wilson an den Strippen. Eine Hand wäscht die andere. Wilson fordert Gefälligkeiten ein, er weiß, wer ihm verpflichtet ist, und so kriegt er am Ende, was er will. Er schmiedet die wunderlichste Allianz der neueren Geschichte: Israel, Ägypten, Pakistan und die Saudis ziehen denselben Karren. Darauf Waffen für afghanische Kämpfer. Der Blutzoll der Russen steigt dramatisch an, vorbei das „Hasenschießen“ aus sicheren Helikoptern. Spiel, Satz und Sieg für den Westen. Vorerst jedenfalls... Kein Triumph großer Politik, sondern Resultat von Schmu, Seilschaften, Bettgeflüster, Hinterzimmer-Klüngelei. Zum Kichern, wie Nichols die Politbühne zur Seifenoper mit Schlitzohren und Kindsköpfen macht. Spitz gefeilt und poliert sind die Dialoge. Die rotzigsten hat Philip Seymour Hoffman („Capote“), der einfach umwerfend ist. Julia Roberts gibt die Kommunistenfresserin mit der Monroe-Frisur. Und Tom Hanks mimt den ewigen Schlawiner, der Geschichte schreibt. – Komisch, gehaltvoll, sehenswert.