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Dieter Mücke: Der Sport wird abgezockt

SCHWERTE Die Sparvorschläge der Wirtschaftsprüfer „Rödl und Partner“ stoßen bei den Verantwortlichen der Schwerter Sportvereine auf breite Ablehnung. Auch Dieter Mücke, Vorsitzender des Schwimmvereins Schwerte 06, kritisiert sie. Michael Dötsch sprach mit Mücke.

Dieter Mücke: Der Sport wird abgezockt

Dieter Mücke kämpft gegen Gebühren.

Dass die Stadt sparen muss, weil sie kein Geld hat, ist klar. Aber beim Begriff „Kosten einsparen“ bringt man beim Sport in Schwerte irgendwas durcheinander. „Die Kosten“, die entstehen, sind Aufwendungen für die Jugendarbeit und „Einsparen“ heißt beim Schwerter Sport Gebühren erheben – auf neudeutsch „abzocken“. Die von den Sportvereinen geleistete ehrenamtliche Jugendarbeit, Integration von Ausländern usw. kostet die Stadt nichts.

Sie würden das Herunterfahren des Mitgliederbestandes bedeuten. Dann ist keine Jugendarbeit mehr möglich, vor allem auch keine Schwimmausbildung. Beim Schwimmverein Schwerte 06 müsste wohl das gesamte Beitragsaufkommen allein für den Jugendbereich für Hallenbenutzungsgebühren aufgewendet werden. Dies ist nur mit einer erheblichen Beitragsanhebung möglich, die wiederum Vereinsaustritte zur Folge hat. Und ohne Schwimmausbildung werden weniger Schwimmer das Stadtbad besuchen, weniger Eintrittsgelder fallen an.

Nichts gegen „Rödl und Partner“, deren Tagesgeschäft das Erstellen solcher Gutachten ist. Nur: Wenn man alte Zahlen serviert bekommt, bei denen lediglich Mark gegen Euro getauscht ist, wird man stutzig. 1990 für Sportanlagen: 134 000 DM (Spende der Sparkasse), jetzt 156 000 €, 1990 für Stadtbadnutzung: 60 000 DM, jetzt 60.000 €.

Es sind Dinge in dem Gutachten enthalten, die überhaupt nicht dahin gehören – zum Beispiel die Streichung der Sportpauschale. Das ist ein Zuschuss des Landes, den man gar nicht streichen kann. Oder auch die Nutzungsgebühren für Sporthallen, bei denen überhaupt nicht unterschieden wird.

Für eine Sporthalle – egal wie groß – werden 7€ pro Stunde angesetzt. Da stimmt die Relation nicht – auch nicht zum Stadtbad. Bei Schwimmkindern zum Beispiel sollen pro Kopf 95 Cent abgerechnet werden. Wir haben im Schnitt 15 Kinder auf einer Bahn, das sind bei fünf Bahnen 71,25 € – das Zehnfache also. Und alle Welt schreit, zu wenig Kinder können schwimmen.

Natürlich ist das schwierig, und natürlich versucht jeder Betroffene ungeschoren davonzukommen. Aber so, „Pi mal Daumen“, nach dem Rasenmäherprinzip die freiwilligen Leistungen einer Kommune zusammenzustreichen, kann nur dazu führen, dass sich alle in ein oder zwei Jahren wieder zusammensetzen müssen, um neu zu verhandeln.

Wenn ich höre, dass einige Fraktionen schon einer Paketlösung zugestimmt haben, so kann ich denen nur im besten Fall zugestehen, dass sie zu wenig Zeit hatten, sich eingehender mit der Materie zu befassen. Das Gutachten als Paket abzusegnen und dabei eigene Meinung außen vorzulassen, ist das Schlimmste was den Schwertern passieren kann. Wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich gelassen hat, wurde unser Bürgermeister gerade deswegen auf den Schild gehoben, weil er den Sportlern versprochen hatte, die Hallennutzungsgebühren wieder abzuschaffen. Vielleicht erinnert er sich noch daran.

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