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Ehemaliger Olympia-Turner

Große Dankbarkeit an die Heimatstadt

INGELHEIM Vital, eloquent, spontan - und in jedem zweiten Satz produziert er ganz viel Dankbarkeit. "Der Grundstein für mein sportliches Leben wurde in Dorsten gelegt!" Bernd Effing, Turner, 1972 Mitglied der Deutschen Riege bei den Spielen von München und damals Dorstener, hat auch heute, mit 64 Jahren, noch ein tiefes, intensives Verhältnis zu der Stadt, die damals seine Heimatstadt war.

Große Dankbarkeit an die Heimatstadt

Von Mexiko bis Montreal: Beim Treffen der Olympia-Turner von 1968, ´72 und ´76 in Ingelheim bewies Bernd Effing (vorn, 2.v.l.; dahinter: Eberhard Gienger) seine nach wie vor große Beweglichkeit.

Das deutsche Fernsehen suchte 1972 (übrigens immer mit der Melodie „If you could read my mind“ unterlegt) die hübscheste Olympionikin. Hübsche Männer wurden nicht gesucht. Aber für die meisten sport-interessierten Frauen war ohnehin klar, dass nichts an dem blonden Engel aus Dorsten vorbeiging. Eine bekannte Sonntagszeitung mit großen Lettern titelte seinerzeit: „Der blonde Traum aller Frauen“.  Bernd Effing quittiert das heute mit einem Lächeln. Ihm ging es viel mehr um den Sport, um das Turnen. Und das war ihm quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater Hans, der in den 50er Jahren mit seiner Familie in die Lippestadt gezogen war, war ein exzellenter Kunstturner. Und er gab sein Können weiter. Der VfL Rot-Weiß hatte seinerzeit eine Turnriege, die im Turngau nahezu konkurrenzlos war. Und das Aushängeschild dieser Riege war der blonde Bernd, der allerdings auch ungeheuer viel Zeit in seinen Sport investierte. „Das wäre allerdings nie möglich gewesen, wenn ich nicht so wahnsinnig viel Unterstützung meines Vaters, meiner Lehrer, aber auch ganz anderer Leute bekommen hätte“, sagt Effing heute. Er erwähnt den verstorbenen Realschul-Rektor Kuon, aber auch Hausmeister Hucke von der ehemaligen Johannes-Schule an der Marler Straße. „Der gab uns, was damals keineswegs selbstverständlich war, auch mal den Schlüssel zur Sporthalle. Und so haben wir selbst am Heiligen Abend trainiert“, lächelt Bernd Effing über die „unheimlich heimlichen Möglichkeiten“, die ihm Dorsten damals bot.

 „Ich war schon mächtig stolz, einer von den sechs Turnern der deutschen Riege zu sein“, blickt Effing 40 Jahre zurück. München, das war sein erklärtes Ziel, obwohl völlig klar war, dass es dort nichts zu gewinnen gab, denn der Turnsport wurde seinerzeit von den Japanern mehr als dominiert. Sawao Kato, damals das Maß aller Turnmöglichkeiten, räumte dann in München auch gleich fünf Medaillen ab, drei davon in Gold. Die deutsche Riege belegte einen glänzenden fünften Rang (zum Vergleich: Am Sonntag wurde Deutschland im Mannschaftswettbewerb Siebter). „Aber das kann man gar nicht vergleichen. Das Turnen hat sich enorm weiterentwickelt und die Trainingsmöglichkeiten sind ganz andere“, sagt Effing und denkt an dünne Turnmatten auf Betonboden, die damals Standard waren. Was für ihn blieb, ist eine unbeschwerte, schöne Erinnerung – bis zu diesem verfluchten 5. September mit dem Überfall auf das Olympische Dorf und dem Mord an den israelischen Sportlern. „Das kann man gar nicht beschreiben“, erinnert sich Bernd Effing. „Die Stimmung sank in Sekunden von 100 auf null, auf unglaubliche Traurigkeit.“  Was aber auch blieb, ist die bis heute währende Freundschaft mit seinem Turnkollegen Eberhard Gienger, der heute Mitglied des deutschen Bundestages ist. Erst am letzten Wochenende trafen sich die beiden zum 40. Olympia-Jubiläum in Effings heutigem Wohnort in Ingelheim am Mittelrhein. Und da wurde – natürlich – geturnt. „Wir sind immer noch an den Geräten“, so Effing, der im Team mit Gienger seinen Sport auch heute noch nutzt, um Dinge anzuschieben, um Projekte auf den Weg zu bringen, um Veranstaltungen noch einen Farbtupfer mehr zu verleihen.  „Wir haben beispielsweise in den neuen Bundesländern die Postleitzahlen auf den Weg gebracht und sind über Dresden geflogen, mit dem Fallschirm abgesprungen und haben eine Turn-Show am Boden abgeliefert.“ Für die Dresdener wird es damit etwas leichter zu akzeptieren gewesen sein, die „Null“ am Anfang ihrer Postleitzahl anzunehmen.

 Die über vier Jahrzehnte dauernde Freundschaft mit Gienger ist eine Konstante in seinem Leben geworden. Und Eberhard Gienger könnte stundenlang Anekdoten aus gemeinsamem Erleben erzählen, beispielsweise wenn Effing mal wieder seinen Hochzeitstag vergessen hat und Gienger ihn dezent darauf hinweist. Aber das wäre eine zu lange Geschichte. Giengers Lachen am Telefon ist genauso offen wie das Lachen von Effing. Zwei Männer, die sich durch das Turnen kennegelernt haben und die mit dem Turnen jung geblieben sind.  Warum denn nicht mal eine Turn-Vorführung in Dorsten? „Ja, gerne“, sagt Bernd Effing und ist offenbar zu allen positiven Schandtaten bereit. „Wenn uns jemand einlädt, kommen wir gerne.“ Es ist wirklich so. Bernd Effing ist ein dankbarer Mensch. Und er würde gerne etwas zurückgeben. Wo sonst hätte er wohl am Heiligen Abend trainieren können?

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