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Von Ibiza nach Wattenscheid

Fußball

Christoph Metzelder unterbrach für das entscheidende Spiel der A-Junioren des TuS Haltern sogar seinen Urlaub auf der Mittelmeerinsel. Für ihn als Trainer eine Selbstverständlichkeit.

HALTERN

von Christopher Kremer

, 04.06.2018
Von Ibiza nach Wattenscheid

Christoph Metzelder (M.) geht im Trainerjob der A-Junioren des TuS voll auf. Hans-Werner Rittner (hinter ihm) ist dabei einer der wichtigen Helfer, die ihm den Rücken frei halten.Kremer

Vor zehn Jahren, so sagt Christoph Metzelder, Trainer der U19 des TuS Haltern und Präsident des Vereins, hätte er sich nicht vorstellen können, dass ihm der Trainerberuf so viel Spaß machen könnte. Nun ist er seit über einem Jahr Cheftrainer der A-Junioren – und ist mit Leib und Seele dabei. Am Sonntag unterbrach der 37-Jährige für das Saisonfinale seines Teams seinen Urlaub auf Ibiza. „Wir arbeiten zehn Monate im Jahr zusammen. Dann kann ich am letzten Spieltag, wenn es um Alles geht, nicht sagen ‚Ich bin im Urlaub‘“, sagt Metzelder.

6 Uhr am Sonntag

Es ist 6 Uhr am Sonntagmorgen, in fünf Stunden trifft die U19 der Halterner auf die SG Wattenscheid. Bei einem Sieg wartet die Meisterschafts- und Aufstiegsfeier, bei einer Niederlage viele lange Gesichter. Fast zeitgleich mit den ersten Sonnenstrahlen über dem Mittelmeer besteigt Metzelder den Flieger und macht sich auf Richtung Ruhrgebiet. „Wir sind jedes Jahr zur selben Zeit auf Ibiza“, sagt er. Einmal sei es Pfingsten gewesen, ein anderes Mal war die Saison bereits beendet. „Dass es in diesem Jahr der entscheidende Spieltag sein würde – das war bis ins Frühjahr nicht abzusehen“, sagt Metzelder. Und so war der ehemalige Fußballprofi auch am Sonntag vor Ort. „Ich will erfolgreich sein – das treibt mich an“, erklärt er.

Seit 2014 hat er sein Augenmerk auf die Entwicklung der A-Junioren gelegt. Seitdem ist das Niveau ständig gestiegen. Von der Kreisklasse stieg das Team erst in die Bezirksliga auf, dann in der Saison 2016/17 in die Landesliga. Und am Sonntag, nach spannenden 90 Minuten in Wattenscheid, in denen das Team von Metzelder, Timo Ostdorf und Hans-Werner Rittner einen frühen Rückstand und einen späteren Ausgleich wegstecken musste, stand fest: In der kommenden Saison spielen die Halterner in der Westfalenliga. Nicht nur bei den Spielern war der Jubel groß.

Doch ein Erfolg im Vorbeigehen war es keineswegs, auch für den Trainer nicht. Wer am Samstag die Fußball-Bundesliga auf Sky verfolgt, der kommt an Metzelder kaum vorbei. Mehrere Stunden sitzt der ehemalige Nationalspieler im Studio, analysiert und kommentiert sowohl in der Halbzeit als auch vor oder nach den Duellen. Vor zwei Jahren saß er zusammen mit den anderen Experten noch am Spielfeldrand, seit der vergangenen Saison sitzt er jeden Samstag in München. „Samstags fliege ich um 7.30 Uhr nach München zu Sky, sonntags geht es zur selben Zeit zurück“, sagt Metzelder. Er hat dann viele Stunden Arbeit im Sky-Studio hinter sich und nur wenige Stunden Schlaf. „Dann bin ich um 8.40 Uhr in Düsseldorf“, erklärt er.

„Wohin auch immer“

Anschließend geht es mit dem Auto nach Haltern, oder „wohin auch immer die U19 spielt“, sagt er. Um 10 Uhr, also eine Stunde vor Anpfiff, sei er dann meist am Platz. An einem Heimspieltag verfolgt er meist auch das anschließende Spiel der Senioren. „Das frühe Aufstehen ist nicht das Problem, da stehe ich unter Adrenalin. Aber sonntags falle ich abends tot ins Bett“, erklärt er. In den vergangenen Wochen lief zeitgleich zusätzlich noch die Kaderplanung für die kommende Saison. „Mit 30 Spielern haben in den letzten Wochen Gespräche geführt“, sagt er, „und das nicht nur telefonisch.“

„Aber richtig“

Der 37-Jährige spricht von ‚Wir‘. Denn ohne die Mithilfe von Timo Ostdorf und Hans-Werner Rittner wäre die Saison für ihn in der Form nicht möglich gewesen. „Ossi ist ein toller Trainer, ein überragender Typ und total loyal, auch Hannes hält uns seit Jahren den Rücken frei“, sagt Metzelder. So sei am Spieltag schon alles vorbereitet, wenn er auf dem Sportplatz eintrifft. „Nur in so einer Konstellation haben wir das hinbekommen“, sagt er.

Etwas wird sich an dieser Konstellation aber ändern: Hans-Werner Rittner wird kommende Saison nicht mehr an der Seitenlinie stehen. Dafür rückt Christian Froböse ins Trainerteam.

Zwei Trainingseinheiten stehen für den neuen Kader in den nächsten Wochen noch an, ehe am 30. Juli die Vorbereitung auf die Westfalenliga beginnt. Doch bis dahin ist noch Zeit: Am Sonntag wurde erst mal in der Stadt um, auf und an dem Brunnen auf dem Marktplatz, der Aufstieg gefeiert. Da durfte der Trainer nicht fehlen - allerdings immer mit Blick auf die Uhr. Für Metzelder ging es am Abend zurück auf die Mittelmeerinsel. Es warten noch ein paar Tage Urlaub. Um 20 Uhr startete der private Flieger. Ob auf Ibiza weiter gefeiert wird? „Aber richtig“, sagt Metzelder.

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