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Politik will Naturschutzgebiet Welschenkamp als möglichen Gewerbestandort prüfen lassen

hzNeuer Regionalplan

Das Naturschutzgebiet Welschenkamp ist als Standort für ein Gewerbegebiet im Gespräch. Während sich die GFL zum Umwelt-Anwalt aufschwingt, warnt die Wirtschaftsförderung: Es sei „5 nach 12“.

Lünen

, 09.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Lünen braucht dringend neue Gewerbegebiete. Deshalb nehmen die Politiker jetzt auch Naturschutzgebiete ins Visier - zum Beispiel den Welschenkamp, der sich zwischen der Dortmunder Straße (B54) und dem Datteln-Hamm-Kanal erstreckt. Das gefällt der Fraktion von „Gemeinsam für Lünen“ (GFL) überhaupt nicht. Sie wirft SPD und CDU in einer Stellungnahme vor, den Weg für eine Vernichtung des „kostbaren Grünzugs“ freizumachen.

? Was genau ist denn überhaupt passiert?

Na ja, eigentlich noch nicht viel. Der Ausschuss für Stadtentwicklung hat in seiner Sitzung am 27. Februar eine Stellungnahme zum neuen Regionalplan verabschiedet. Dabei geht es auch um die zukünftige Ausweisung von Gewerbeflächen. Unter anderem heißt es dort: „Mögliche Standorte, die jetzt näher untersucht werden sollen, sind Welschenkamp entlang der B54 (ca. 10 ha) und Erlensundern an der BAB A2 (>10 ha)“.

? Was bedeutet das?

Dass die Stadt Lünen prüfen möchte, ob eine Ansiedlung von Gewerbe an dieser Stelle möglich ist. Laut Stadtsprecher Benedikt Spangardt sei eine Überplanung eines Naturschutzgebietes grundsätzlich möglich. „Aber es gibt natürlich hohe Hürden.“

? Welche Position vertritt die GFL?

Die GFL wollte unter anderem den Passus „Welschenkamp entlang der B54 (ca. 10 ha)“ aus der Stellungnahme der Stadt Lünen streichen lassen, scheiterte aber an den Stimmen von SPD und CDU. Das brachte Fraktionschef Dr. Johannes Hofnagel auf die Palme, weil die Sozialdemokraten Anfang Februar noch im Fachausschuss für den Erhalt des Welchenkamps gestimmt hätten: „Das zeigt, wie umweltschädigend die SPD in Lünen bei bedeutenden und zukunftsweisenden Entscheidungen in Zeiten des Klimawandels agiert“, lässt sich Hofnagel in der GFL-Mitteilung zitieren.

? Ist die Position der SPD denn eindeutig?

„Nein“, sagt Fraktionsvorsitzender Hans-Michael Haustein auf Anfrage unserer Redaktion. „Da besteht noch Beratungsbedarf, sowohl in der Fraktion, als auch in der Partei.“ Es seien einige Ortsvereine von der Entscheidung betroffen, die vorab gehört werden sollen. Einen Widerspruch zum Votum im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss sieht er nicht: „Es handelt sich hier ja erstmal nur um einen Prüfauftrag, mehr nicht.“ Haustein geht auch nicht davon aus, dass der Welschenkamp „eine der ersten Gewerbeflächen wäre, die realisiert werden“.

? Und was sagt die CDU?

Laut Fraktionssprecher Arno Feller ist die Sache klar: „Der westliche Teil des Naturschutzgebietes muss geschützt werden.“ Einen Gewerbestreifen entlang der B54 halte die CDU jedoch für tragbar: „Die Lage und vor allem die Verkehrsanbindung - wir müssen hier nicht erst an Wohngebieten vorbei - sprechen eindeutig dafür.“

? Braucht Lünen denn überhaupt neue Gewerbegebiete?

Hier hat Wirtschaftsförderer Eric Swehla eine klare Antwort: „Uns steht weniger als ein Hektar Fläche zur Verfügung.“ Deshalb habe man das wirtschaftliche Standortmarketing derzeit eingestellt - und bekomme trotzdem zahlreiche Anfragen, „darunter auch Projekte, die wir sehr gerne nach Lünen geholt hätten“. Aber Swehla muss hier nicht nur Absagen erteilen - er befürchtet auch, dass erweiterungswillige Firmen aus Lünen abwandern, weil sie keine Fläche haben. Bei Stolzenhoff habe man „in letzter Sekunde“ eine Lösung gefunden, aber: „Aus Sicht der Wirtschaftsförderung ist es hier bereits 5 nach 12.“

? Wie viel Fläche benötigt Lünen denn in Zukunft?

„Um unsere innovativen und erfolgreichen Firmen in Lünen zu halten, benötigen wir mindestens 2 bis 3 Hektar je Jahr, ebenso auch für Neuansiedlungen“, sagt Eric Swehla. „Dann wären wir bei einem Gesamtbedarf von 4 bis 6 Hektar im Jahr, was – im Vergleich zu anderen Städten – eher wenig Flächenbedarf bedeutet.“

? Nun verweist die GFL auf einen Bürgerentscheid aus dem Jahr 2003, der eine Umwandlung in einer Gewerbefläche für den Welschenkamp verbietet. Ist dieses Votum nicht länger gültig?

Doch, sagt die Stadt Lünen. „Aber formal bezog sich der Bürgerentscheid auf das Mühlenbachtal, also eine Fläche südlich des Kanals“, so Pressesprecher Benedikt Spangardt. „Der Welschenkamp ist nicht Teil dieses Begehrens.“ Das sieht auch Arno Feller so: „Der Bürgerentscheid bezog sich konkret auf eine Fläche und wurde dann gefühlt auf angrenzende Flächen übertragen.“

? Und wie geht es nun weiter?

Die Stellungnahme der Stadt Lünen geht an den Regionalverband Ruhr, der schließlich den Regionalplan verabschiedet. Dann weiß die Stadt auch, wie viele Hektar Gewerbefläche sie ausweisen darf - erst danach könnten konkrete Planungen starten. Oder, wie Eric Swehla es formuliert: „Wir gehen davon aus, dass es noch viele Diskussionen zu dem Thema, leider nicht immer auf Fakten basierend, geben wird.“

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