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39-Jähriger muss nach Brandanschlägen in Psychatrie

Brandstifter am Bochumer Landgericht verurteilt

Nach drei Feuer-Anschlägen an Bahngleisen ist ein psychisch kranker Brandstifter (39) am Dienstag am Bochumer Landgericht auf unbestimmte Zeit in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden. Mit der Entscheidung haben es sich die Richter jedoch nicht leicht gemacht.

BOCHUM

von Werner von Braunschweig

, 19.06.2018
39-Jähriger muss nach Brandanschlägen in Psychatrie

Der 39-jährige Brandstifter ist am Bochumer Landgericht auf unbestimmte Zeit in eine geschlossene Psychatrie eingewiesen worden. © picture alliance / Bernd Thissen

Mit der Entscheidung haben es sich die Richter nicht leicht gemacht - doch sie war alternativlos. „Das waren im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährliche Straftaten“, sagte Richter Markus van den Hövel in der Urteilsbegründung.

Der Beschuldigte („Ich war total dicht“) hatte nicht bestritten, Ende 2017 im Drogenrausch binnen sechs Wochen drei potenziell verheerende Feuer-Anschläge an Kabelschächten und einem Gas-Wagon verübt zu haben. Beim dritten Anschlag blieb laut Staatsanwaltschaft „eine größere Katastrophe für die Recklinghäuser Innenstadt“ einzig dank eines Augenzeugen aus.

Gerade noch rechtzeitig beobachtet

Der Fahrgast hatte am 17. Dezember 2017 aus einem vorbeifahrenden Zug offenbar gerade noch rechtzeitig beobachtet, dass ein erster von 14 mit Butangas gefüllten Kesselwagen aus einem auf den Gleisen geparkten Wagon-Verbund bereits Feuer gefangen hatte – und sofort Alarm geschlagen.

Spurenuntersuchungen hatten ergeben, dass an den Wagons an einer freigelegten Gasleitung eine Gaskartusche und eine Zündschnur angebracht worden war. Der Bahnverkehr in und um Recklinghausen hatte damals zeitweise stundenlang still gestanden. Laut Staatsanwaltschaft war ein Sachschaden von 165.000 Euro angerichtet worden.

Vor dem Bochumer Landgericht ging es mit Blick auf die psychische Erkrankung und die dadurch praktisch aufgehobene Schuldfähigkeit des 39-Jährigen von Anfang an nicht um eine klassische Bestrafung. Eine Psychiaterin hatte die nächtlichen Feuer-Anschläge als Folge „wahnhafter und bizarrer Vorstellungen“ des Recklinghäusers eingestuft.

Zum Schutz der Allgemeinheit

Die schizophrene Erkrankung des 39-Jährige sei inzwischen dermaßen verfestigt, dass ohne medikamentöse Behandlung und eine passende Therapie jederzeit eine ähnlich gefährliche Tat drohe. Zum Schutz der Allgemeinheit müsse der Brandstifter daher zwangsweise in einer Straftäter-Psychiatrie untergebracht werden.

Der Recklinghäuser hatte sich vor der Urteilsberatung noch einmal entschuldigt: „Es tut mir wirklich leid, was da passiert ist.“ Bei konsequenter Medikamenten-Einnahme und der Entwicklung von Krankheitseinsicht, könne er durchaus mittelfristig nochmal die Chance auf ein Leben in Freiheit haben, machten ihm die Richter Hoffnung.