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Kanalleiche in Waltrop: Neuer Prozess

44-jähriger Angeklagter beteuert seine Unschuld

BOCHUM Auch mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Fund einer Frauenleiche im Dortmund-Ems-Kanal bei Waltrop ist der Tod der 25-jährigen Mutter weiter ein ungeklärtes Rätsel. Seit Donnerstag steht der Ehemann (44) der Verstorbenen bereits zum zweiten Mal in Bochum wegen Mordes vor Gericht – und beteuert nach wie vor seine Unschuld.

44-jähriger Angeklagter beteuert seine Unschuld

Das Foto zeigt den Angeklagten (2.v.r.) beim Prozessauftakt, Verteidiger Wolfgang Zeitler (r.) und Verteidiger Siegmund Benecken (l.) Foto: Werner von Braunschweig

„Mein Mandant weist die Vorwürfe als absolut unzutreffend zurück“, erklärte Verteidiger Siegmund Benecken zum Prozessauftakt vor dem Bochumer Landgericht. Mehr gebe es vorerst nicht zu sagen. Benecken: „Auf anwaltlichen Rat wird er darüber hinaus von seinem Schweigerecht Gebrauch machen.“

Der Lkw-Fahrer aus Oer-Erkenschwick war in einem ersten Mordprozess bereits während des laufenden Verfahren auf freien Fuß gesetzt und im Oktober 2016 aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Weil der Bundesgerichtshof (BGH) den Freispruch jedoch Ende 2017 wegen „Lücken in der Beweiswürdigung“ aufgehoben hatte, steht der 44-Jährige nun abermals als einziger Mordverdächtiger vor Gericht. Bei seiner Wieder-Festnahme im Februar 2018 sollen sich dramatische Szenen abgespielt haben. „Die Tochter hat bereits ihre Mutter verloren und jetzt musste sie mit ansehen, wie ihr Vater morgens vom Frühstückstisch abgeführt wurde“, sagte Verteidiger Benecken. Die Zehnjährige sei schwer traumatisiert.

Waltrop Eigentlich war der Mann eines Mordopfers in Waltrop schon freigesprochen worden - doch der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil am Donnerstag kassiert. Jetzt muss ein Gericht erneut klären, ob der Mann seine Frau getötet und dann in den Kanal geschmissen hat. Dass der BGH den Freispruch zurückgenommen hat, heißt nämlich nicht, dass die Richter den Mann für unschuldig halten.mehr...

Staatsanwalt Dietrich Streßig ist dagegen absolut davon überzeugt, dass der Vater der Schülerin ihre Mutter genommen hat – und zwar durch einen kaltblütigen Mord. Laut Anklage soll der 44-Jährige seine Frau in der Nacht auf den 6. Juni 2015 auf der Couch erstickt haben. Wahrscheinlich mit einem Kissen. Anschließend soll er die Leiche im Pkw seines Bruders nach Waltrop transportiert und dort von einer Brücke im Dortmund-Ems-Kanal versenkt haben. Am 10. Juni wurde der Leichnam zufällig von Spaziergängern entdeckt.

Als Motiv verweist die Staatsanwaltschaft auf eine nahezu ausweglose Situation des Angeklagten. Obwohl bekannt war, dass er schon seit Jahren eine Geliebte hatte, verlangte seine eigene Familie das Festhalten an der Ehe mit dem späteren Opfer. Um von seiner Großfamilie nicht verstoßen zu werden und die Affäre weiterführen zu können, soll der 44-Jährige es als „einzige Möglichkeit“ angesehen haben, einen Ertrinkungsunfall oder Selbstmord zu inszenieren.

Mit einem Urteil im zweiten Mordprozess ist frühestens im Sommer 2018 zu rechnen.

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