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Ärzte: Sergej Skripal geht es deutlich besser

Salisbury/Moskau. Sergej und Julia Skripal geht es besser, sie haben das Attentat mit dem Kampfstoff Nowitschok überlebt. Das nährt Hoffnungen auf eine Aufklärung des Falls. Doch das Ringen um Beweise geht weiter.

Ärzte: Sergej Skripal geht es deutlich besser

Mitte März in Gillingham: Soldaten mit Schutzanzügen während der Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Doppelagenten und dessen Tochter. Foto: Andrew Matthews/PA Wire

Der vergiftete frühere russische Doppelagent Sergej Skripal ist wie seine Tochter Julia inzwischen nicht mehr in kritischem Zustand. „Er spricht gut auf die Behandlung an, seine Gesundheit verbessert sich schnell“, teilte die Klinikärztin Christine Blanshard in Salisbury mit.

Dies nährt Hoffnungen, dass eine Befragung Skripals mehr Klarheit bringen und helfen könnte, den Streit zwischen Großbritannien und Russland wegen des Falls zu lösen. In einem britischen Medienbericht wurden allerdings neue Vorwürfe gegen Moskau bekannt.

Skripal (66) und seine Tochter Julia (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie wurden nach britischen Angaben mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet. Die Substanz war den Ermittlern zufolge wahrscheinlich auf die Türklinke von Skripals Haus geschmiert worden.

Julia Skripal meldete sich am Donnerstag erstmals seit dem Attentat öffentlich zu Wort und berichtete von Fortschritten bei der Genesung. Sie äußerte sich in ihrem von Scotland Yard verbreiteten Schreiben aber nicht zu eventuellen Motiven oder Beobachtungen kurz vor der Tat. Wann sie aus der Klinik entlassen wird, war zunächst offen. Nach Angaben des deutschen Chemikers Ralf Trapp sind Spätfolgen bei solchen Kampfstoffen aber nicht ausgeschlossen. „Das kann von Organ- bis Hirnschäden reichen“, sagte Trapp der Deutschen Presse-Agentur.

Skripal hatte früher für den russischen Militärgeheimdienst GRU gearbeitet und dem britischen Auslandsgeheimdienst MI6 Informationen weitergeleitet. 2004 flog er auf. Er wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Rahmen eines Gefangenenaustauschs kam er 2010 nach Großbritannien, wo er seitdem in Salisbury lebte.

Das Nervengift Nowitschok wurde einst in der Sowjetunion produziert. London vermutet Moskau als Drahtzieher des Attentats. Russland weist dies zurück. Bisher wurden keine Beweise veröffentlicht.

Die Zeitung „The Times“ berichtete, das gegen die Skripals verwendete Nervengift stamme aus einer russischen Militärforschungsanlage in Schichany im Gebiet Saratow an der Wolga. Dort seien kleine Mengen Nowitschok gelagert worden. Geheimdienstinformationen wiesen klar auf Schichany hin, sagte der Chemiewaffenexperte Hamish de Bretton-Gordon der Zeitung. Die dort gelagerten Mengen seien ausreichend für Attentate, aber zu gering für militärische Einsätze gewesen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow kritisierte den Bericht als Versuch, die haltlosen Vorwürfe gegen Russland zu rechtfertigen. Der Kreml-Vertreter im Förderationskreis Wolga, Michail Babitsch, sagte der Agentur Interfax: „Alle Standorte, an denen Chemiewaffen gelagert wurden, sind bekannt. Schichany gehört nicht dazu.“

Russland hat nach eigener Darstellung alle seine Chemiewaffen zwischen 2002 und 2017 vernichtet. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) habe dies bezeugt, hatten die Behörden zuletzt mehrfach betont. Babitsch sagte, die OPCW könne bezeugen, dass in Schichany keine Chemiewaffen seien, schweige aber dazu.

In Schichany befindet sich eine Niederlassung des Forschungsinstituts Gosniiocht. Nach eigener Darstellung befasst sich die Einrichtung mit Sicherheitsfragen im Chemiebereich und hatte Technologien zur Vernichtung von C-Waffen entwickelt. Schichany mit rund 6000 Einwohnern liegt etwa 800 Kilometer südöstlich von Moskau.

Die OPCW ermittelt im Fall Skripal. Eine von Russland einberufene Sondersitzung am Mittwoch hatte aber kaum neue Erkenntnisse gebracht. Moskau will in die Untersuchung des Anschlags eingebunden werden.

Das Attentat hat eine schwere Krise ausgelöst. Zahlreiche Länder wiesen Dutzende russische Diplomaten aus; Moskau erklärte als Reaktion darauf seinerseits Diplomaten zu unerwünschten Personen.

Bei einer auf Bitten Moskaus kurzfristig einberufenen Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York kam es am Donnerstagabend zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen beiden Ländern. „Wir haben unseren britischen Kollegen gesagt, dass sie mit dem Feuer spielen und das noch bereuen werden“, sagte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja. Er warf dem Westen Lügen und Manipulationen nach den Methoden des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels vor. Die britische UN-Botschafterin Karen Pierce wies die Vorwürfe zurück. Das Ganze sei „Teil eines größeren Musters von unverantwortlichem Verhalten Russlands“, sagte Pierce.

Weiter belasten dürften das Verhältnis zu Russland auch neue US-Sanktionen. Washington nahm 38 russische Firmen und Einzelpersonen in eine Liste mit Strafmaßnahmen auf, darunter sieben Oligarchen. Die USA werfen ihnen vor, sich an einer autoritären und gegen den Westen gerichteten Politik des Kremls zu bereicherten.

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