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Anwohner klagen über Belastung

Verkehr Wessum

Die Anlieger der Flörbachstraße und der Neustraße ärgern sich seit längerer Zeit über den Durchgangsverkehr vor ihrer Haustür. Jetzt reicht es ihnen, sie fordern eine Regulierung des Verkehrsaufkommens.

Wessum

, 05.07.2018
Anwohner klagen über Belastung

Von der Hamalandstraße über die Flörbachstraße (Foto) zur Graeser Straße. Diese Route wird als Abkürzung genutzt, um beispielsweise schneller zur Nordtangente zu gelangen. Die Anlieger ärgern sich über den Durchgangsverkehr. © Markus Gehring

Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. An Goethe denkt wohl kaum ein Autofahrer, wenn er die Flörbachstraße und die Neustraße in Wessum als Abkürzung benutzt. Es ist aber auch zu verlockend, auf diesen Straßen auf kürzestem Wege von der Hamalandstraße zur Graeser Straße zu gelangen – und umgekehrt.

Das bemerken seit Längerem auch die Anlieger. In der Vergangenheit äußerten sie bei der Verwaltung wiederholt ihren Unmut über die Verkehrssituation, regelmäßige Geschwindigkeitsmessungen zeigten keine Wirkung. Der Durchgangsverkehr hat dermaßen zugenommen, dass sich etliche Anwohner beider Straßen vor Kurzem auf Unterschriftenlisten eintrugen und diese bei der Stadt einreichten. Das Ziel: eine Regulierung des Verkehrsaufkommens.

Auf Antrag der CDU-Fraktion wird sich der Rat in seiner Sitzung am Donnerstag, 12. Juli, mit dem Thema befassen. Als Begründung schreiben die Christdemokraten unter anderem, dass die vorgenannten Straßen – und auch die Eichenallee – über eine hohe Anliegerzahl verfügen. In den vergangenen Jahren seien anliegende Baugebiete verdichtet worden, der Autoverkehr habe erheblich zugenommen. Von der Abkürzung Hamalandstraße-Graeser Straße und weiter zur Nordtangente würden nicht nur Bewohner des Ortsteils Wessum Gebrauch machen, sondern auch Anwohner aus dem Baugebiet Hoher Kamp. „Eine weitere deutliche Zunahme ist zu erwarten, wenn in diesem Baugebiet der nächste Abschnitt mit rund 170 Baugrundstücken in Kürze erschlossen wird“, heißt es von der CDU-Fraktion. Darauf habe sie bereits in einem Antrag vom 22. Januar dieses Jahres hingewiesen.

Immer mehr Autos

Gerard Lavalaye wohnt an der Flörbachstraße, Einfahrt Hamalandstraße. „Viel zu viel Autoverkehr“, sagt er am Donnerstagmittag und blickt aus dem Fenster. „Es wird immer mehr.“ Nur wenige Anlieger sind unter der Masse an Autofahrern, die täglich die Flörbachstraße befahren, hat er festgestellt. „Die meisten nutzen die Straße als Abkürzung, weil sie sich den Weg zum Kreisverkehr am Stadtpark sparen wollen. Da staut es sich ja auch ständig.“ Wer zum Beispiel aus Richtung Alstätte zur Autobahn wolle, der fahre als Ortskundiger doch nicht über die Wessumer Straße. „Der rast mit dem Auto lieber hier durchs Wohngebiet“, sagt Gerard Lavalaye.

Was er festgestellt hat: „Als Anlieger spürt man, wenn einer die Straße als Durchgang nutzt. Ich fahre hier Tempo 30. Der im Wagen hinter mir überlegt dann schon, mich zu überholen.“

Tempo-30-Zone

Dabei sei die Flörbachstraße nicht nur als Tempo-30-Zone ausgeschildert, sondern in einem Abschnitt auch als verkehrsberuhigter Bereich – Schrittgeschwindigkeit. „Ich wohne an dieser Straße seit sieben Jahren“, sagt der Niederländer. „Für Familien mit kleinen Kindern wird das immer gefährlicher.“ Zumal die Flörbachstraße in Richtung Graeser Straße nicht komplett ausgebaut und ein separater Gehweg nicht vorhanden sei. Eine schnelle Lösung des Verkehrsproblems sieht Gerard Lavalaye nicht.

Die Anwohner, die auf den Listen unterschrieben haben, fordern für die Flörbachstraße eine Sperrung des Durchgangsverkehrs. Das soll mit dem Aufstellen des Schildes „Verbot der Durchfahrt, Anwohner frei“, verwirklicht werden. Doch ob allein ein Schild hilft? Gerard Lavayale würde es gerne glauben. Doch er glaubt auch, dass sich längst nicht alle Autofahrer von einem Schild an der Durchfahrt hindern lassen. „Polizei und Stadt können doch nicht jeden Tag kontrollieren, ob es sich bei den Autofahrern tatsächlich um Anlieger handelt.“ Den Kontrollierten würde dann auch sicherlich eine passende Ausrede einfallen.

Gerard Lavalaye hat sich die längste Zeit über den Durchgangsverkehr vor seinem Haus geärgert. In Kürze zieht er in den Wessumer Ortskern um. „Aber nicht wegen des Autoverkehrs, das Haus hier ist schlicht zu groß geworden.“

Straße viel zu schmal

Linda Greve wohnt seit zwei Jahren im mittleren Teil der Flörbachstraße. Vorher, als sie für den Job nach Coesfeld musste, da nutzte sie die Flörbachstraße selber als Abkürzung. Heute hat sie einen anderen Blick auf die Situation. Vor allem zu den Stoßzeiten des Berufsverkehrs, morgens und abends, würden Autofahrer im Minutentakt die Flörbachstraße passieren. Aufgrund des nicht ausgebauten Endstücks und einiger aufgestellter Tröge würde sich der Verkehr manchmal stauen. „Die Straße ist dort viel zu schmal für das Verkehrsaufkommen.“ Als Radfahrerin sei sie einmal sogar von einem Transporter an der Jacke gestreift worden. Eine Lösung des Verkehrsproblems? Linda Greve würde mit Pollern den Durchgangsverkehr komplett unterbinden und die Straße „halbieren“. So würden zwei Sackgassen entstehen. Eine Lösung, die allerdings auch Nachteile mit sich bringt. „Die Anwohner der Sackgasse in Richtung Graeser Straße müssten einen Umweg fahren, um in den Wessumer Ortskern zu gelangen.“

Zwei weitere Anwohnerinnen der Flörbachstraße, die namentlich nicht genannt werden möchten, haben ihre ganz eigenen Erfahrungen gemacht. „Autofahrer, die über die Nordtangente aus Richtung Autobahn kommen, werden von ihrem Navi über die Flörbachstraße Richtung Alstätte geschickt. Das habe ich selber ausprobiert“, sagt eine der Frauen. Ihre Nachbarin hat des Öfteren schon Lastwagen gesehen, die sich auf der Flörbachstraße festgefahren hatten. Es sei gar nicht so einfach, dann rückwärts mit Anhänger zu rangieren. Allerdings entschleunige das den Verkehr enorm.