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Casting für den Pferdenachwuchs

Stutenschau in Ahaus

Für die neue Chefin des NRW-Landgestüts, Kristina Ankerholt, war es die vierte Stutenschau ihrer Amtszeit, aber die erste in Ahaus. Von dem, was es da zu sehen gab, war aber nicht nur sie angetan.

AHAUS

, 08.06.2018
Casting für den Pferdenachwuchs

Josef Rudde (l.) und sein Siegerfohlen, die Mutter führt Deckstellenleiter Michael Peetsch. Foto Christiane Hildebrand-Stubbe

Stutenschau – der Name ist eigentlich irreführend. Während früher tatsächlich ausschließlich Stuten bewertet wurden, sind es inzwischen meist die Fohlen, die den Müttern die Schau stehlen. Um Superstars, die gesucht werden, geht es da zwar nicht, aber sehr wohl um Qualitätssichtung. „Jeder glaubt ja, er hat das beste Fohlen im Stall“, so der Hinweis eines Züchters.

Eine Jury gibt es auch, nennt sich hier allerdings Kommission, Körkommission. Und auch bei der Stutenschau auf der Anlage des Reit- und Fahrvereins Ottenstein-Hörsteloe am Mittwoch war diese hochkarätig besetzt: Neben Landstallmeisterin Kristina Ankerholt mit Bernhard Deitert, Kreispferdezuchtverband, Tonius Schulze Averdick, Pferdestammbuch und Zuchtleiter Wilken Treu. Rund 28 Reitpferde- und neun Reitponyfohlen waren es, die sich mit ihren Müttern den kritischen Blicken der Kommission stellten. Wenige Wochen oder wenige Monate alt. Wichtige Qualitäts-Kriterien: Körperbau (Kopf, Hals), Beinstellung und Bewegungsabläufe bei Schritt und Trab, Abstammung.

Einhelliges Urteil

Die Eindrücke der Jury, in der Regel waren sich die vier einig, fasste Wilken Treu dann am Mikrofon zusammen. Die Bedeutung seiner teils euphorischen Kommentare wie „gelungene Oberlinie“, „gute Selbsthaltung“, „geschwungene Halsung“, „große Schulter“ erschloss sich aber insbesondere Züchtern und/oder Besitzern der jungen Pferde sowie dem größtenteils fachkundigen Publikum. Über eine besondere Auszeichnung konnte sich die Züchtergemeinschaft Rudde aus Graes erneut freuen: Sie stellte nicht nur eines der Siegerfohlen, sondern bekam dafür auch die Fahrkarte zur Fohlenauktion. Der junge Hengst ist übrigens ein Vollbruder des Siegerhengstes aus dem vergangenen Jahr.

Züchter und Besitzer Josef Rudde sieht sich damit bestätigt, dass er mit der Auswahl der Eltern (My Lady und Cornet Obolensk) im wahrsten Sinne auf das richtige Pferd gesetzt hat. Für Rudde setzt das gute Abschneiden bei den Stutenschauen auch eine Marke für die Zukunft: „Das ist gutes Startkapital, damit steigen auch die Chancen für die Vermarktung.“

Ahauser Zuchtstall

Übrigens stammt auch die Siegerstute bei den Dreijährigen „Farytale“ aus einem Ahauser Zuchtstall (Bruno Blome). Wie auch die Zweitplatzierte „Felicitas“ bekam sie die Verbandsprämie und die Zulassung zur Eliteschau

„Sehr gute Qualität“, bescheinigte Kristina Ankerholt der Ahauser Schau. Ein Eindruck, den die Landstallmeisterin auch auf die Pferdezucht in NRW allgemein erweiterte. Die habe sich allerdings auch sehr verändert, weniger bäuerliche Züchter hin zu größeren Zuchtstätten. Ankerholt: „Auch die Kundschaft ist eine andere, die Ansprüche sind gewachsen.“

Einem besonderen aktuellen Aspekt der Pferdezucht will sich die Neue auf dem Chefsessel des Landgestüts künftig verstärkt widmen: „Durch die künstliche Besamung ist eine Verengung der Blutlinien zu befürchten.“ Heißt: Es findet eine Fokussierung auf bestimmte Hengste satt, andere, durchaus auch interessante, bleiben außen vor. Diesem Trend will Ankerholt entgegensteuern: durch ein attraktives Angebot und durch Qualität.