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Eltern üben Kritik an Bezirksregierung

Sonderpädagogen von Ahauser Overbergschule abgeordnet

Vier Sonderpädagogen mit insgesamt zwei vollen Stellen werden von der Overbergschule abgeordnet. Eltern kritisieren die Bezirksregierung.

Ahaus

, 19.05.2018
Eltern üben Kritik an Bezirksregierung

Die Overbergschule am Rentmeisterskamp ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen. © Christian Boedding

Auch Förderkinder wollen gefordert werden. Ob das an der Overbergschule im neuen Schuljahr der Fall ist, daran mag die Schulpflegschaft nicht glauben. Der Grund: Die Bezirksregierung ordnet zum neuen Schuljahr vier Sonderpädagogen im Gesamtumfang von zwei Stellen an andere Schulen ab.

Die Overbergschule am Rentmeisterskamp ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen in Trägerschaft des Kreises Borken. Hauptsitz der Schule ist Bocholt, in Ahaus ist ein Teilstandort. Förderschule, das bedeutet: Unterricht in kleinen Klassen, Förderungen individueller Fähigkeiten und Fertigkeiten. So steht es zumindest auf der Homepage der Stadt Ahaus.

Förderung gefährdet

Die Elternvertretung sieht diese Förderung gefährdet. Das hat sie in dieser Woche in einem Brief allen Eltern der Schüler mitgeteilt. „Wenn vier halbe Sonderpädagogen-Stellen wegfallen, sehen wir den Standort in Ahaus gefährdet“, heißt es in dem von Theresia Böcker unterzeichneten Schreiben. Die Eltern hätten sich bewusst für eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen für ihre Kinder entschieden.

„Wenn die Sonderpädagogen abgezogen werden, kommt die Tagesstruktur der Kinder durcheinander“, erklärt Theresia Böcker. „Wenn plötzlich vier Lehrer nur noch an zwei bis drei Tagen die Woche da sind, statt an fünf, dann merken die Schüler das schon.“

Quereinsteiger

Zumal auch fachliche Kompetenz verloren gehe. Denn ein adäquater Ersatz sei nicht vorgesehen, sagen die Eltern. Die Einstellung von Quereinsteigern als Ersatz für Sonderpädagogen sehen die Eltern kritisch. Theresia Böcker: „Ein Handwerksmeister als Quereinsteiger kann prima Werkunterricht erteilen, keine Frage. Aber er hat keine sonderpädadgogische Ausbildung und er ist nicht flexibel für andere Fächer einsetzbar. Ich kann ihn nicht einfach Deutsch oder Mathematik unterrichten lassen.“ Im Idealfall unterrichten an der Förderschule ausschließlich Sonderpädagogen.

Das Problem tauche jedes Jahr aufs Neue auf, heißt es in dem Elternbrief. Nach den Ferien stelle die Bezirksregierung fest, dass doch noch Personal benötigt werde. Doch die Ausschreibungen für Sonderpädagogen blieben erfolglos. „Dabei bringen wir doch unsere Kinder auf die Förderschule, gerade weil wir davon ausgehen, dass dort Sonderpädagogen sind“, sagt Nicole Weddewer.

Mangelverwaltung

Die Stellenabordnungen kommentiert Theresia Böcker so: „Der Standort der Förderschule in Ahaus mit gut 90 Schülern wird kaputt gemacht.“ Doch wie wollen sich die Eltern dagegen wehren? Ulrike Böwing: „Wir haben bei der Bezirksregierung nachgefragt. Dort sagte man etwas von ‚Mangelverwaltung‘.“ Theresia Böcker: „Mangelverwaltung in Sachen Sonderpädagogen-Stellen, darunter versteht die Bezirksregierung, dass jede Schule gleich viel zu wenig hat.“ Bei den Eltern hat sich eine Befürchtung verfestigt, die Nicole Weddewer in Worte fasst: „Wir haben mal wieder den Eindruck, dass alle anderen Schulen wichtiger sind als unsere Förderschule.“

Ihre Kinder in Ahaus ab- und an einer anderen Förderschule anzumelden, zum Beispiel an der St.-Felicitas-Schule in Vreden, das haben einige Eltern schon überlegt. „Aber will man das seinen Kindern wirklich antun?“

Stellungnahme der Bezirksregierung

Es sei geplant, zum neuen Schuljahr an der Overbergschule vier weitere Sonderpädagogen – im Gesamtumfang von zwei Stellen – abzuordnen. Zudem würden bereits zwei Abordnungen im Gesamtumfang einer Stelle laufen. Das teilte die Bezirksregierung Münster schriftlich mit. „Zum neuen Schuljahr wird auch eine Sonderpädagogin im Umfang von 0,6 Stellen aus der Abordnung an den Teilstandort zurückkehren“, gab Ulla Lütkehermölle von der Pressestelle Informationen aus dem Fachdezernat weiter.

Grund für die Abordnungen seien unbesetzte Stellen im Gemeinsamen Lernen. „Grundlage ist die Differenz zwischen dem prognostischen Stellenbedarf und der Personalausstattung.“ Insgesamt ist die Overbergschule in Ahaus nach den Berechnungen der Bezirksregierung sogar noch mit 0,2 Stellen im Plus. „Allerdings kann die Realität von den Prognosen abweichen“, sagte Ulla Lütkehermölle.

Aus dem Fachdezernat heißt es: „Es ist dem allgemeinen Bewerbermangel geschuldet, dass zur Vertretung befristet ausgeschriebene Sonderpädagogen-Stellen nur noch selten mit Sonderpädagogen besetzt werden können. Dies trifft sowohl auf Ausschreibungen im Förderschulbereich, aber auch im Bereich der Inklusion zu.“ Alles in allem sei der Teilstandort Ahaus „personell gut ausgestattet“, es gebe keinen Qualitätsverlust. Der Kreis Borken als Träger der Schule teilt die Sorgen der Eltern, sieht aber keine Gefährdung des Schulstandorts. Die Ursache für die Misere sei auch nicht „Ahaus-spezifisch“, sondern liege in der landesweit außerordentlich knappen Personaldecke im sonderpädagogischen Bereich.